KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1910-1911
- Issue
- Heft 4 (1.1.1911)
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 55 (sequence 5)
- Language
- German
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55 den Böswilligen ärgern wird, sondern daß sie den intelligenteren Äeschauer .zum Nachdenken führt. Er wird gleich sehen, daß es mit der jüdischen Couleur ganz anders sein muß als mit der katholischen. Denn diese Katholiken würden ja in jedes Corps nsw. gerne ausgenommen werden. Der jüdische Student ist durch fremde Willkür wider Willen ausgeschlossen. Nun schämt er sich, wie er es durch die Couleur zeigt, seines Judentums nicht, folglich kann doch sein Judentum keine so verächtliche Sache sein. Auch zeigt er anscheinend Mut, denn es ist in diesem gehässigen Millien wohl keine Kleinigkeit, sein Judentum so freudig anznkündige),. Und wie unbehelligt zieht er durch die Straßen trotz der geringen Zahl seiner Bundcsbrüder. Tie andern wagen es ja nicht, seine Farben zu beleidigen, man muß ihn also fürchten; und wohl wissen, daß er seine Couleur zu verteidigen versteht. Und wer nicht nur intelligent ist, sondern auch Herz besitzt, den, muß das Herz anfgehen, wenn er sieht, daß, wo alle übrigen Korporationen kaum Ideale mehr haben, diese so verachteten, jiidischen Studenten eine hohe, heilige Aufgabe zur Schalt tragen, nämlich die, ihre Abstammung zu Ehren zu bringen, auf daß die alten gespensterhaften Vorwürfe. als besäße der Jude keine Kraft, keine Ehre, keinen Mannesmut niemals wiederkehren. Wie froh könnten sie ihre llniversitätsjahre verbringen, wenn sie mir ihren privaten Neigungen lebtenV So verbringen sie auf der Universität kämpferische Semester. um ihre herben Prinzipien durchzufechten. Welcher Verständige bekonnnt da nicht Achtung vor dem K. C.,° und wie anders ist doch heute scholl das Urteil über den jüdischen Studenten geworden als in den traurigen Jahren, wo der Antisemitismus Herr auf den Hochschulen wurde lrnd ihn, die Inden noch nicht zu begegnen wußten. Ein eigenartiger Zufall wollte es, daß gerade. als ich diese Worte schrieb, mir das neue Buch des Franzosen H u r e t zngeschickt wurde, das über seine Berliner Eindrücke handelt, lind in dem er auch über den deutschen Antisemitismus urteilt. Er erzählt feiueu Landsleuten, daß auf der Universität die Corps und Burschenschaften die Semiten allsschließen, berichtet voll jüdischen Korporationen und fährt dann später fort: ,,// y n le juif fier de son origine, eonseient de sa valeur propre et de sa valeur relative; couuaissaut Phistoire de sa race et des jnifs ec lihres, il re live la tele avee orgueil devant la majoritc des gens germaniques, qui n'onf pour etix que la force et le nornbre. II se sent parfaitement legal de meillcurs et soirccnt le sonperieur de eenx qui p re lende nt Pf nun Hier. II met tont es les forccs de sa vie ä st clever, par orgueil et par dignitc, et s'attache a dcmeurer vertueux et noble dans la lütte pour Iß vie. C'e type de juif me rite tonte es time, tonte Sympathie et tonte admiration.“ Freuen wir uns über dieses Urteil eines berühmten französischen Schriftstellers, und sorgen wir dafür, indern mir die Couleur weiter würdig repräsentieren, daß bald llienland mehr anders über uns urteilen kann, als es Huret getan hat. Aber so segensreich die C£oulcur auch nach außen wirk', so erfüllt sie doch ebenso ihre zweite wichtige Sanktion, nämlich nach illnen hin Ulis selbst zu beeinslussell. Tie Korporation kann viel, aber die Coutellr kann noch mehr. Wer in der Korporation steht, wird auf der Kneipe itub im Konvent sich wohl als Glied des (Ganzen fühlen, wer aber in der Cvulelir auf die Straße hinaustritt, ist immer und ganz anders in der K. C.-Stimmung. Tie Couleur ist das stärkste Mittel, den Eilizelllen beständig an die hohe Ausgabe zu erinnern, die er beim Eintritt in den Bund beschrvoren bat. Im Straßenbild, in der Nestauration und wo sonst imnler in der Oeffentlichkeit erscheint er nicht mehr als der stur! X. oder der L.'lncl. mecl V.. sondern in ' rster l'iiiic als Angehöriger der Berbi'.ldnllg. Tie Couleur macht alrs delll in sich abgegrenzten Individlnnn einen Vertreter der Gattung. Das eigene Ich vcrschivindet hinter denl allgemeineil Prinzip. Ter Stndeilt, sonst ein leichtfertiges, unbekümmertes Wesen, wird Kulturträger. Wer den Conleurstndent krällkt, kränkt die ganze Korporation. Wer dell K. C.er beleidigt, vergeht sich aber liicht mir nu ihm, an der Verbindung, sondern au der gesamten Indenschaft. dessen Vorkämpfer auf dem äußersten Posten er ist. Wie sehr muß daher durch das Tragen von Mütze und Band das Verantivortlichkeitsgesühl des Einzelnen geschärft werden, wo er weiß, daß er nicht nur als er selbst anftcitt, fouberit zugleich mit dem Ansehen des Ganzen steht ulld' fällt, Gewiß eine schwere Aufgabe. ''Aber um so mehr wird dadurch seilt Ehrgeiz und seine Energie gehoben. Das Belvllßtseill. der Repräsentant einer ganzen Gemeinschaft zu sein, hebt ihn hinaus aus kleinlicheli Stiinlluingell oder angeborener Verzagtheit. Wie die Korporation schützend hinter ihm steht, steht er schützend vor der Korporation. Alle für einen, einer für alle. Solcher edle Gemeinschaftsgeist erhebt innerlich und macht einen neuen, wertvolleren Menschen ans dem, der bis dahilt ohne Ziel gelebt hat. Wirkt so die Couleur im besten Sinn erzieherisch auf den Charakter, so erfiillt sie noch die andere Aufgabe, auch die Aeußerl ich keit