KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1910-1911
- Issue
- Heft 3 (1.12.1910)
- Date
- 1910-12-01
- Page
- Seite 47 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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47. Die „Allgemeine Zeitung des Judentums" und der K. G. Einem außerordentlich heiteren Mißverständnis ist das von Rudolf Mosse heransgegebene „unparteiische Organ für alles jüdische Interesse" zum Opfer geworden. Mit Staune» entdeckte man in seiner Rümmer 44 ^S. 518) eine Besprechung des Schindlerschen Aussatzes „Die deutsche Burschenschaft und die Inden", der bekanntlich in Rr. t der „L. E. Blätter" abgedruckt ist. In seinem Aufsatz kommt Schindler zu dem Schluß, weil die Burschenschaft getaufte Juden, aber keine ungetansten ansnähme, dürfe sie ihre» Antiselnitismns nicht mehr mit den sattsanl bekannten Motiven wie Rassereinheit stützen. Mit diesem Ergebnis schmollte nun in ihrem redaktionellen Teil die „Allgem. Zeitung des I u d e n t n m s". Sie verblüffte mit der Bemerkung: „also will der junge Herr wohl, daß die Inden ihres Glaubens wegen ausgeschlossen werden" lind sie knüpft daran die Ermahnung, Schindler hätte als den einzigen Schluß die Forderung ausstellen müssen, daß die Burschenschaft wieder den glanbens treuen Juden den Eintritt gewähre. Man greift sich an den ZLopf, da es fast nn möglich erscheint, diesen Gedankensprnng nachzn springen. Die „Allgem. Zeitung" meint: „Weil Schindler das Motiv des Rassenantisemitismns in seiner Inkonsequenz anfdeckt, will er einem religiösen Antisemitismus die Wege ebnen, und verurteile überhaupt nickt ben Antisemitismus". Fa, diese Logik erscheint so unsinnig, daß inan zur Ehrenrettung des logischen Denkvermögens im.'»topfe des Mofseschen Redakteur; beinahe auf die — aber ebenso unglaubliche — Lösung kommt: Hält die „Allgem. Zeitung des'Judentums" vielleicht die „K. E. Blätter" für das O rgar. eines antike m itif ch e n Verbandes? Diese in ihrer Ignoranz überwältigende Ans fassung hat nun tatsächlich in den Räumen der Redaktion der ./Allgem. Zeitung des Judentums" geherrscht. Sie sagt es selbst. In der folgenden Rümmer, S. 540, finden, wir folgende redaktionelle Erklärung abgedruckt: 5n der vnmam '.Hummer habe ich mm einer unten 3tubnitcu,\dtuurt berichtet. Ta ich in der ^ojmia nndeutischer Hiervglyphe» l!> nicht bewandert bin. iv verstand ich die Abkürzung des Titels nicht und meinte tlach detil sehr nntkar geschriebenen Artikel, das: es ein antisemitisches Blatt sei - - denn zu der vettüre der anderen Aussätze der.'lummer habe ich keine .Zeit- - ans der mir unterdes zugekvmnlene» ztveitett Aitmmer ersehe ich, daß es sich um ein Organ der jüdischen Harparaklmien handelt. Ich kann mcht ßmen. daß ich für diese Smiderbestrebungen in der 3tiihciitcufrf;aft schwärme: twtzdem werde ich auf das Orgatt eingehen, tveitn sich Gekenenheit dazu bietet: das llrteil. das in der vorliegende» 'Hummer über Schnitzlers '.Human „Der titzeg ins Freie" gefällt wird, teile ich nicht. So geschehen im 74. Jahrgang des „unparteiischen Organs für alles jüdische Interesse". Maöemischr Nachrichten. Wandlungen im Fiyffkänfervervand. In j Rr. der „M. E. Blätter" ist ans den Beschluß , der Berbandstagnng des Zruffhäuserverbandes, nach welchem dem Liberalismus im Verband die Gleichberechtigung neben der konservativen Richtung zugestanden wurde, hingewiesen worden. In Würdigung dieses Beschlusses »vnrde dem Zweifel darüber Ausdruck gegeben, ob der Erfolg des Liberalismus ein dauernder sein werde. Hatte der Kysshäuserverband tatsächlich sein antisemitisches Programm zll Gunsten modernerer Auffassung geändert? Oder j handelte es sich nur um ein Lockmittel, das liberal; denkenden Studierenden den Eintritt in den Ver-! band erleichtern sollte? .Glaubte man auf diese Weise die Lücken in den Reihen der Mitglieder leichter wieder auofüUcn zu können? Oder hielt der Verband seine antisemitische Mission für erfüllt? Eine interessante Erörterung all dieser Fragen bringt ein „Wandlungen im Kysfhäuserv e r b a n d" überschriebener Aufsatz in dem offiziellen „Taschenbuch" des Bundes. In diesem Aufsatz wendet sich der Verfasser, Dr. .Stovmauti, gegen den R a d tr u - A it t i f e nti t i s m it s int Verbände, der nach Erreichung feines Zweckes sich erfolgreich in den g >? s e l l s ch a f t l i ch e u Anti s e m i t i s - m u S gewandelt habe. Ter gesellschaftliche Anti st'mitismns sei heute so selbstverständliches G e nt e i it u t alter akad c m i f ch e n Ä r e i f e geworden, daß auch er, wie überhaupt die Inden frage, die ursprünglich einen breiten Raum in den Erörterungen des Verbandes eingenommen liabe, in den Hinteigrund treten könne. Ter Liberalismus, der früher nicht national gewesen sei, habe sich geändert, so daß er in nationaler Hinsicht der konservativen Richtung heute gleich,;ustelten fei. Dieser Änderung des Liberalismus habe der Verband durch seinen Beschluß Rechnung getragen. Aus seinen Ausführungen zieht Dr. Kormann folgende Schlußfolgerungen :