KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1910-1911
- Issue
- Heft 3 (1.12.1910)
- Date
- 1910-12-01
- Page
- Seite 42 (sequence 8)
- Language
- German
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42 große Anzahl recht bedenklicher Folgen besonders fiir die innere Entwicklung des deutschen Judentums mit sich* gebracht hat, und einer dieser bedauerlichen Seite»» des jiidischen Biidnngsstrebend, die durchaus Beachtung verdient, seien die folgenden kurze»» Bemerknngen geividmet. Es handelt sich "»»ü»»»lich dar»»»»», das; »licht nur die Zahl der jüdischen Akademiker sich gehoben hat. sondern daß auch entschieden der Durchschnitt der Schüler und Studenten die geistige Höhe früherer Zeit nicht mehr erreicht. Ter Grund liegt vornehmlich in den veränderten wirtschaftlichen Verhältnissen. Wenn man den Gründen nachgeht, die in früheren Zelten, etwa vor fünfzig bis sechzig Jahren, und in unseren Tagen den Juden veranlassen, seinen Kindern eine höhere Schulbildung angedeihen zu lassen, so läßt sich ein großer Unterschied, der mit der veränderten sozialen Lage eng z»»sa»»»»»»e»»hü»»gt, ohne viel Schwierigkeit feststellen. Wer früher unter den jüdischeil Knaben begabt und zugleich auch fleißig war. der allein wurde den» G»;»»»- nasium und später dem Studium zugeführt. Und dabei machte es damals keinen Unterschied, ob er auS guten oder schlechten pekuniärer» Verhältnissen stammte, ob dem Vater der Unterhalt seines Kindes in der Studienzeit schiver fiel oder nicht. Ein hervorragend begabter junger Jude »vurde aus jede»» Fall dem Berufe zngesührt, für den er sich eignete; er quälte sich entweder allein durch oder fand Glaubensgenossen, deren Wohltätigkeit llud Jdealisnius ihm das Studium erleichterten. Dar»»»»» war auch noch vor einem Menschenaltcr das jüdische Schiilermaterial fast durchweg seinen Leistungen nach ein gutes. Der gute jüdische Schüler war die Regel, und der jüdische Student unterschied sich ebenfalls von seinen andersgläubigen Kommilitonen, aber nicht nur in Aeußerlichkeiten unangenehmer Ratnr, wie mm» heute so oft und gern glaubt, in Kleinigkeiten des Benehmens und der Haltung, die gewiß tadelnswert waren .und geändert werden mnßten. sondern in weit wichtigeren Dingen? Tenn der jüdische Student stellte fast immer die geistige Elite seiner an sich schon geistig hervorragenden Gemeinschaft dar. er war dazu mäßig und sehr fleißig. . denn er »»rußte sein Studium bald vollenden. Tie.vielen Entbehrungen, denen er sich unterzog, halfen ihn zu einen» tüchtigen Menschen zn machen, und es ist kein Zufall, daß so viele von unseren großen und größten Juden ans ganz kleinen Verhältnissen hervorgegangen, daß sie Söhtie von armen Händler»» und kleinen Kultusbeamten sind. Denn Rot und Entbehrung sind ja.überhaupt die 'besten Lehrmeister des Lebens, uub beim Juden scheint dieses Gesetz von besonderer Bedeutung zu sein; der wirtschaftliche Druck hat bei ihm in besonderen» Maße jederzeit die besten Kräfte des Willens u»»d des Geistes zur Entfaltung gebracht. Ter größere Teil der jüdischen Akademiker, die in der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts ' den Studien oblagen, sind in der Schule der Entbehrung groß geworden. Sie alle ragen aber auch über das Mittelmaß »veit hervor. Run hat sich im letzen Teile des verflossenen Jahrhllnderts die soziale Struktur der deutscher» Fudenheit von Grund auf verändert. Tie wirtschaftliche Lage hob sich — aus Gründen, die hier nicht rräher erörtert z»» werden brarrchen — in ganz überraschender Weise, und daß heute der Durchschnitt der deutschen J»»der» durchaus der» pel'»»»»iär besser gestellten K lasser» »»»»gehört, darf als bekannt vorausgesetzt werden. Damit trat aber naturgemäß eine Aenderung der Erzieh»»»gsgrundsätze eirr, die bei der jüdischen Jrrgend Amveudung fanden. War vordem die Anzahl der jüdischer» Schüler auf höheren Lehranstalten ebenfalls schon eine »richt »mbetrüchtliche gervesen, so schivoll sie jetzt z»r der eingangs erwähriten schwindelnden Höhe an. Es »väre aber ein verhängnisvoller Irrtum, wollte man diese Steigernng noch inimer auf das Konto des Bildungsstrebens setzen. Ausschlaggebend war ein ganz arrderer Faktor gervorden, närrilich — das W eld! Wer Geld hatte und es sich leisten konnte, glaubte auch die Verpflichtung zu haben, seinen Sohn auf die höhere Schule zu senden und ihn studie»en zu lassen, auch rvenn er noch so nnbegabt und träge »»»ar, urrd da nun so viele Jnderi den notwendigen Wohlstand besaßen, schwoll die Schülerzah! durch Ausnahme von »»»eist sehr ungeeigneten Elementen so gewaltig an. Dabei »virkten und wirken gewiß ganz erklärliche und entschuldbare Ursachen rrrit, die Eitelkeit kurzsichtiger Eltern, der Wunsch, ihre Kirrder eirrerr» bequenreren Erwerbsleben und höheren gesellschaftlichen Schichter» z»»zuführen: die Tatsache selber »vird jedoch nicht aus der Welt geschasst, daß einerseits in eirrer großen A»»zahl von Fällen der Geldbeutel des Vaters die einzige Instanz ist, von der der Bildnngsrveg des Sohnes abhängig gemacht rvird. daß andrerseits dieses Schülermaterial mit Ätachhilfe, Presse »rnd sonsligeri Quälereien künstlich durch das Ginnnasium geschoben wird, lim darrn als Studenten ii» »»nendlicher Blühe mit knapper sJtot die erforderlichen Examina zr» bestehen und weder zur Bereicherung der Wisferrschaft noch auch zur Hebung des Ansehens der jüdischer» Akademiker sonderlich beizutragerr. Früher studierte der befähigte Jude, ob er. nun arm oder reich war, heute studiert der w o h t h a b e n d e, ob er nu»r begabt oder »»»»begabt ist! . Jeder I Kerurer der Verhältnisse weiß,' »vie entsetzlich