KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1910-1911
- Issue
- Heft 3 (1.12.1910)
- Date
- 1910-12-01
- Page
- Seite 39 (sequence 5)
- Language
- German
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3Ö nn denen sie günstigsten Falles »6 m^iorem xloeism ihrer Chefs wissenschaftlich arbeiten dürfen. Das ist die Maral unserer maßgebenden wissenschaftlichen Kreise, so verstehen diese die Freiheit, mit der in bcn uiclcn Reden ein sa platonischer Kult getrieben wurde. W i r aber wollen unsere Heranwachsende jüdische akademische Fugend daran gewöhnen, nicht die Politik des Vogels Strauß treiben, wir wollen ihr den Blick schärfen, auf daß sie sich tmrd) den dichten Phrasennebel nicht beu Ausblick auf die harte Wirklichkeit nehmen läßt. Denn nur, wenn man weiß, wo der Feind steht, kann mail ihn bekämpfen. Die Iudenftindlichlreit der guten Gesellschaft. Von l)r. iur. l5 ar l Am ber n (Khibelliniae) Duisburg. Die Radau-Fudenhetze hat abgewirtschaftet. Nachdem im Laufe der Fahre so auffallend viele ihrer Herolde vor dem Richterstuhle des Staates tmd demjenigen der öffentlichen Meinung bloßgestellt worden sind, ist der Lärm in den Gassen — im wörtlichen und im übertragenen Sinne — stiller und stiller geworden. Indessen wiirde es ein gewaltiger Irrtum fein, hierin eine große Besserung unserer Lage zu erblicken. Der Lärm ist zwar verstummt; aber nicht etwa deshalb, weil er keinen Rückklangsboden mehr im Volke fände! Ein Pöbel, der nn einem Borknmlied, an Pücklerreden und ähnlichen auf die niedrigsten Triebe lauernden Darbietungen Geschmack findet, wird leider so bald nicht aussterben. Rur deshalb ist der Lärm verstummt, weil die Drahtzieher der judenfeiudlicheu Bewegungen und Richtlmgen des lärmenden Gepolters und des Pöbels nicht niehr in dem Maße wie friiher bedürfen. Der Radauantisemitismus hat seine Schuldigkeit getan; er kann gehen. Der Antisemitismus hat es leider fertig gebracht, g e s e l l s ch a f t s f ü h i g zu werdet!. Wir Jungen müssen das ältere Geschlecht befragen, tun die Bedeutung dieses Satzes zu verstehen. Das alte, ererbte Vorurteil gegen die Juden war in deit siebziger Jahren schon im Schwinden begriffen. Weite Kreise der guten Gesellschaft hegten die Anschauung, daß es mit wahrer Bildung und kulturfortschrittlicher Gesinnung nicht vereinbar sei, einem jüdischen Mitbürger anders zu begegnen, als er es seiner Persönlichkeit nach verdiene, und. wer sich zu dieser Anschauung noch nicht innerlich emporgeschwnngen hatte, der hütete sich doch, seiner Ingeildverachtung in guter Gesellschaft einerr krassen Ausdruck zu verleihen, weil dies in beu meisten Fällen als unvornehm ausgenommen wurde. Die judenfeindliche Bewegung hat es verstanden, den absterbenden Vorurteilen und den schon verächtlich werdenden Trieben des Hasses moderne Formen und Gestalten zu verleihen, und sie damit aufs neue in der guten Gesellschaft einzubürgern; einzubürgern in einem Maße, daß die alten Ghettomanern in gesellschaftlicher Aeziehung wieder dräuend ans dem Boden emporzuwachsen scheinen. Es kann nicht genug hervorgehoben werden, daß diese schleichende Gefahr viel schlimmer für das deutsche Volk — und nicht allein für seinen jüdischen Teil — zu werden droht, als der rüde Lärm der Gasse. Denn dieser Feind ist nicht zu fassen. Er droht zu der „verjährt geheiligten Gewvliuheit" zu werden, die zu erschiittern nach Schillers Worten so unendlich schwer ist: Das wird kein Na,»Pf der llraft fein ,nit der ttraft. De» furcht' ich nicht. Mit jedem l-cyener wag' ich's. Den ich kann sehen und ins Auge faßen, Ter elbft voll Mut. auch mir den Akut entflammt. (nn unsichtbarer Feind cst's, den ich fürchte, Ter n der Menschen Brust mir widersteht. Durch feige Furcht allein mir fürchterlich, — Aichr, was lebendig kraftvoll sich verkundigr, Fst das gefährlich Furchtbare. Weil diesem Feinde ganz und gar nicht mit mutiger Wehr nnd schneidiger Waffe beizukommen ist, weil er sich überall versteckt, wo man ihn zu fassen versucht, darum ist es den Angehörigen der Verbindungen im K. C. oft so außerordentlich schwierig, sich in diese Sachlage hineinzufinden. Und doch muß dies geschehen. Es ist null mgänglieh notwendig, daß die Verbindungserziehung in rveitestgeheudem Maße der Tatsache Rechnung trägt, daß die grundsätzliche Juden- Verachtung und Iudenausschließnng zu einem Wesensmerkmal der guten Gesellschaft zu werden droht. ES ist eine unabweisbare Forderung der Heit. daß jeder junge K. C.er schon in seinen AktimtätSsemestern die Tragweite dieses Werdeganges zu erfassen strebt ulld sich darmrs rüstet, bm Grundgedanken der K. C.-Telldenz, der ja eigentlich nur der Grundsatz der Anständigkeit und persönlichen Würde ist, auch diesen! Werdegänge gegenüber in geeigneter Weise durch seine Lebensführung in die Wirklichkeit lnnznfetzen. Vielleicht giebt es Leser, denen an dieser Stelle der Gedanke beikommt, die geschildert