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KC-Blätter · 1910-12-01 · Heft 3 (1.12.1910) · p. Seite 38

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Journal
KC-Blätter
Volume
1910-1911
Issue
Heft 3 (1.12.1910)
Date
1910-12-01
Page
Seite 38 (sequence 4)
Language
German
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38 zeugen möchte, daß wir es so herrlich weit gebracht haben. Aus allen Reden klang es so in's Land hinaus. Und wieviel wurde gesprochen! Das deutsche Volk wurde mit so vielen und laugen Reden überschüttet, wie sie wohl noch niemals bei irgend einer Veranlassung in der weiten Welt losgelassen worden sind. Es rieselte, prasselte, strömte Reden voll geistreicher Gedanken, voll feingeschliffener Ideen und Wendungen, aber auch ebensoviele voller Gemeinplätze. voll nebelhafter Phrasen und unerträglicher Heuchelei. Mit welchem Gefühl hören und lesen nur Juden, daß dieser oder jener weltberühmte lind hochgestellte Festredner voll bcm freien, wissenschaftlichen Geist geredet hat, der einzig llild allein all der -Vlma mater Lerolinensis maßgebend ist und bleibell soll, we»ln sogar der politische Lenker Deutschlands, der Reichskanzler, meint, daß rnir die Leistung, nicht der Name Bedeutung habe? Das sind doch platte, llichtssagende Redensarteil gegenüber den wirklichen Zuständen: Stein jüdischer Ordinarius lehrt an der Berliner Universität, keiner der großen stlldelltischeil Verbände nimmt jüdische Studierende auf. Will man etwa behaupten, das; bei der großen Allzahl jüdischer Privatdozenten, außerordentlicher Professoreil luld ordentlicher Honorarprofessoren mit durchschnittlich achtbaren, teilweise geuialeil Leistungen fein Jude zum Ordinarius geeignet sei. daß er feiner ganzen Persönlichkeit nach ebeilsoivenig „Alltoritüt" haben würde lvie angeblich ein jüdischer Offizier? Hermann Oppenheim, einer der erstell, wenn nicht der erste Neurologe der Gegenwart, legte seine Privatdozeiltur llieder, weil er nach 25 jähriger Dozententätigkeit nicht zulu Extraordinarius ernannt wurde, im Gegen sah zu zahlreichen anderen, llicht-jüdischen Dozenteil von viel geringerer wisselischaftlicher Bedelltllilg. Albert Frünkel. einer der ersten .Kliniker, nicht bloß Berlins, sondern der ganzen Welt, legte ans gleichem Alllaß und) 25jähriger Privatdozententätigkeit die Dozentur nieder. Heiloch, der Altnleister der Kinderheilkunde, konnte es nicht zum Ordinarius bringen. Sein Nachfolger Henbner, an wissenschaftlichen! Ruhm ihnl lange nicht gleich, lvurde unmittelbar nach seiner Berufung und Heuochs Abgang Ordinarius. Für Behring, deil Erfinder des Diphterieheilserums, wurde in Marburg alsbald ein Ordinariat geschaffen. Für Ehrlich, den Schöpfer eines vollkommen neuen Zweiges der Medizin, ben genialen Chemiker und Serumforscher, mußte außerhalb der Universität mit privaten und städtischen Mitteln, atterdillgs mit Subventionierung durch den Staat, ein besonderes Jllstitlit in Frankfurt a. Main errichtet iverden, weil er an der Universität tu* Jude keine Möglichkeit einer Betätigung fand, die ailch nur annähernd feiner Bedeutung entsprach. Derselbe Ehrlich, der ilachher den Rnhm der d e n t s ch e u Wissenschaft durch die Welt tragen sollte. Senator, der hochangesehene Kliniker. langjährige Vorsitzende und nunmehrige Ehrenvorsitzende der Berliner Medizinischen Gesellschuft, der angesehensten Bereinigung dieser Art ill der ganzen Welt, konnte es nie über die Honorarprofeffur, eine ad hoc geschaffene Würde für zurückgesetzte wissenschaftliche Größen ersten Ranges mld jüdischen Glaubens, hinansbringen. Die Beispiele könnten beliebig vermehrt werden, Aber der Reichskanzler verkündet, daß nicht der Name, sondern nur die Leistung Bedeutung habe. Und dann die Taufe, die auf einmal die bisher vermißte „Autorität" verschafft! Ein eigenes Kapitel, welches so recht zeigt, wie kulturlos wir noch find trotz aller schönen Reden. Welches moralische Riecht glaubt denn die Fakultät oder die Regierung zu haben, von einem Manne der Wissenschaft, der Großes geleistet hat und vielleicht noch Größeres leisten wird zum Ruhme des deutschen Vaterlandes, zuerst Meineid, ^Narkose des Gewissens, ''Aufgabe der Persönlichkeit, des „höchsten Glücks der Menschenkinder", Losung der geschichtlichen Tradition, ja der Familienbande und welch andere Voraussetzungen für die Taufe vorliegen mögen, zu verlangen, ehe sie ihn in das verdiente Amt einsetzen und ihm die verdienten Ehren zu teil werden lasset!. Also die jüdischen Lehrer, ausgeschlossen von den Ehren i nb den Pfründen der llniversität. Die jüdischen Studenten gesellschaftlich gerichtet! Das ist der Zustand an der hehren /Xlma mater der deutschen Reichshauptstadt, einer Stätte, die nur der reinen, voranssetzungslosen Wissenschaft dienen null und daher allen denen,, die diese Wissenschaft fördern wollen und können, die Möglichkeit dazu geben sollte. Das ist entwürdigend, empörend, himmelschreiend? Aber jeder wackere Deutsche hat für selbstverständlich gehalten, daß der Clou der Jubiläumsfeier, die durch den Kaiser in Aussicht gestellte Zehmnillionenspende, fast ausschließlich von Juden oder Judenabkömmlingen gezeichnet wurde, daß Namen wie James Simon, Koppel, Schwabach, Bleichröder, Mendelsuhn an der Spitze prangen. Bon diesen! Gelde werden dann Forschungsinstitute errichtet und unterhalten, von denen die Juden ausgeschlossen werden oder

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