Mannheim
Compact Memory

KC-Blätter · 1910-11-01 · Heft 2 (1.11.1910) · p. Seite 30

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1910-1911
Issue
Heft 2 (1.11.1910)
Date
1910-11-01
Page
Seite 30 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2268830-2268861-2268864--0042-2269230
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

<-S) 30 et, Verbindungen Kenntnis, zu einer Zeit, wo die Einladungen der Universität an das Ausland längst abgegangen sein mochten. An eine Verlegung des' gesamten Festes war zu diesem Zeitpunkt nicht mehr zu denken. In Würdigung dieser Tatsache baten die jüdischen Korporationen jetzt auch nicht mehr um Verlegung des ganzen Festes, sondern ihre Bitte ging dahin, an dein VersöhnnngStage nicht eine der größeren Festlichkeiten, nicht den Hauptkommers, die studentischste aller Veranstaltungen, stattfinden zu lassen. Ob eine Veränderung der einzelnen Tagesprogramme noch möglich war, ob der Kommers etwa mit dem Gartenfest, der Aufführung im Opernhause Hütte vertauscht werden können, entzieht sich der Beurteilung. Jedenfalls muß mit der Unmöglichkeit der Verlegung gerechnet werden. Auch mag man es dem Rektorat, selbst für bcn Fall, daß die Möglichkeit einer Verlegung noch gegeben gewesen wäre, nicht verdenken, wenn es nach den Schwierigkeiten. welche die Einigung auf einen Termin überhaupt gemacht hatte, nicht wieder Lust hatte, nochmals in Verhandlungen einzntreten, die möglicherweise doch zu keinem Ergebnis geführt hätten. Insbesondere, wo das Rektorat sich nicht mit Unrecht darauf berufen konnte, daß die jüdischen Korporationen biird) ihr verspätetes und ungenügendes Eingreifen die Lage selbst verschuldet, jedenfalls mitverschuldet hatten, während - das Rektorat in ordnungsmäßiger Weise die jüdischen Studenten zur Teilnahme an den Festlichkeiten anfgefordert hatte. SDtau wird also in dem ablehnenden Bescheid des Rektorats rein sachlich eine beabsichtigte Animosität gegen die jüdischen Studenten nicht erblicken können. Aber man milß es tief beklagen, daß der Brief des Direktors in einer Form gehalten ist. die das Empfinden der jüdischen Stndentcn verletzen mußte. Es mag dahin gestellt bleiben, ob sich die jüdischen Korporationen bei einer sachlich gleichen, aber formell weniger brüsken Antwort meint auch nicht am Kommerse, so doch an den andern Veranstaltungen beteiligt hätten; aber sie waren sich keinen Augenblick dariiber im Zweifel, daß ihnen auf Grund der wenig konzil iant en Antwort der Rektorats die Beteiligung zur Unmöglichkeit geworden war. Alan wird cs verstehen, daß sie trotz Abratens von im Kampfe um die Gleichberechtigung der Inden erfahrener Seite nicht nur den Kommers, sondern allen Festlichkeiten fernblieben, um dadurch ihren Protest gegen diese Wrt der Zurückweisung mit Entschiedenheit zum Ausdruck zu bringen. Den K. C.ern aber möge dieses Vorkommnis eine ernste Lehre sein, in Zukunft bei ähnlichen Anlässen rechtzeitig Vorsorge zu treffen, damit ein so bedauerlicher „freiwilliger" Ausschluß der jüdischen Studenten nicht mehr zu verzeichnen sein wird. Pas Ändentnm in der Kr-ittudentischen Aewegung. Im „Archiv der Frcistndentenbewegung" (Verlag Edmund Dcmme Leipzig) ist als Heft 3 eine Darstellung des Dr. Ssymank (Posen) „Dreizehn Jahre Freistudententum 189(>—HK)!)" erschienen, in der wir folgenden Passus finden, der beiveist, daß auch iw Freistndentum der jüdische Student wegen seines Indentnms hübsch im Hintergrund bleiben soll. Es dürfte sich lohnen, darauf hinznweisen, und wir eröffnen über die in ihm inthaltenen Gedanken die Debatte: Die Stoßkraft der Freistndentenbeivegnng wurde dadurch vermindert, daß in manchen Punkten des Programms Unklarheit herrschte. So regte s'.'it 1899 die Gemüter der Freistndenten die Frage auf, wie man sich zu den jüdischen Kommilitonen stellen solle. Unter dem Einfluß der Vereine Deutscher Studenten hatte um die Mitte jenes Jahrzehnts der Ausschluß der Inden ans den schlagenden Verbindungen und ans vielen anderen Korporationen stattgefnnden. Tie Hauptmasse der jüdischen Studenten wandte sich jetzt der Finkcnschast zu und iviinschtc naturgemäß nicht nur Anteil an deren Leben, sondern auch an den Ehrenämtern. Die Organisationen halten als logische Forderung aus dem Vertretnngsprinzip den Grundsatz aufgestellt, „weder politische noch religiöse Tendenzen in der Finkenschast groß zu ziehen. Burgfriede soll herrschen in diesen Dingen und Achtung vor der gegenseitigen Ueberzengnng der Kommilitonen". Es frug sich nun, ob diese Forderung der Toleranz von den Organisationen streng dnrchgeführt werden nn'irde. In Leipzig hatte man schon 1897 einen jüdischen Ehrenbeamten im Präsidium, bei der Begründung der Berliner Finkenschast aber lehnte die Leipziger eine Unterstützung ab, weil in Berlin die Gefahr der Berjudung vorlüge, und im November 1899 erschien ein Aufsehen erregender

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.