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KC-Blätter · 1910-11-01 · Heft 2 (1.11.1910) · p. Seite 29

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Journal
KC-Blätter
Volume
1910-1911
Issue
Heft 2 (1.11.1910)
Date
1910-11-01
Page
Seite 29 (sequence 11)
Language
German
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rs 20 K» denkt, die noch kurz vor der Feier die Beteiligung der Studentenschaft überhaupt in Frage stellten, und an die Auseinandersetzungen sich erinnert, deren Abschluß den größten Teil der Studierenden jüdischen Glaubens veranlaßte, den Feierlichkeiten fern zu bleiben. Der Sachverhalt, der den Grund für den Entschluß der jüdischen Stubcutcu gab, dessen übrigens in dem vorigen Hefte der K. C.- Blntter bereits kurz Erwähnung geschah, ist, soweit es sich aus den teils recht verworrenen Berichten fcftftcllou läßt, folgender: Bor etwa zwei Semestern erhielten sämtliche Berliner Korporationen eine Einladung des Rektorats zu einer Besprechung über die Jubiläumsfeier. In der Sitzung wurde die Studentenschaft mit dem seitens des Rektorats aufgestelltem Programm bekannt gemacht; das' Programm würde aber weder als endgültig bezeichnet, uodj wurde ein Termin für die einzelnen Festlichkeiten festgelegt. Das Ergebnis der Sitzung war die Bildung eines studentiscyei, Iubiläumsausschusses, der die Studentenschaft bei den Vorbereitungen vertreten sollte. In diesen Ausschuß wurde aus der Iaht der jüdischen Korporationen ein Mitglied des B. I. St. gewählt. Zu Beginn des Sommersemesters 1010 wurde in dem Ausschüsse das vom Rektorat tmsgearbeilete Progranun, soweit es die Studentenschaft berührte, besprochen nnd ge billigt. Dieses Progranun enthielt die Festsetzung des Kommerses auf den 12. Oktober, den Vorabend des jüdischem Versöhnungsfestes. Der V. I. St.er, der im ''Augenblicke den Termin des höchsten jiidischen Feiertages nicht gegenwärtig hatte, machte gegen die Festsetzung keine Einwendungen. Erst einige Tage später bat der V. I. St. um Verlegung des Festes. Irrtümlicherweise wurde aber sein Schreiben — die Richtigkeit der Informationen vorausgesetzt — statt an den allge'.neinen Studentenausschuß an die Gartenfestkommission gesandt, die lediglich das studentische Gartenfest vorznbereiten hatte. Eine Antwort erfolgte nicht. Ende Juni, als der Termin für die Feier längst seststand, hörte auch die Verbindung im K. C. „Sprevia" von dem Zusammenfallen des Kommerses mit den, Versöhnungsfestabend. Sie sandte ein Schreiber: an das Rektorat und den Ausschnß. mit der Bitte, vorn 12. Oktober abends | bis 13. Oktober Abends keine größere Festlichkeit abzuhalten. Das Schreiben war außer ooh der Sprevia von den Verbindungen Dahlentia und Hasmvnaea und dem B. I. St. unterzeichnet. . Am 2«. Juli erhielten die genannten Verbindungen die im vorigen Hefte mitgeteilte Antwort des Rektors, welcher im Ram'n des Senates meldete, „daß das Iubiläumsprvgramm feststehe und auf das jüdische Bersvhnungsfest keine Rücksicht genommen werden könne". Auf diesen Bescheid beschlossen die Korporationen jüdischer Studenten, von einer Teilnahme an allen Festlichkeiten abzusehen. Bei der Erwägmlg der Frage, wem die Schuld an diesen, zweifellos zu beklagenden Vorkommnis beiz,,,,,essen ist, nmß zunächst davon ausgegangen werden, daß die Bedeutung der jüdischen Dozenten nnd Studenten an der Berliner Universität groß genug ist, um eine Berücksichtigung bei Aufstellung des Programms zu verdienen. Wenn man aber die Angelegenheit objektiv behandeln und auch der Stellung des Rektorats gerecht werden will, so darf man nicht so weit gehen zu sagen — wie verschiedentlich zu hören war —, daß das Rektorat mit Hülse eines Kalenders, auf den: auch die jüdischen Feiertage verzeichnet sein nmßten, diese härte kennen und von Amtswegen beachten müssen. Vielmehr uniß wohl angenommen werden, daß das Rektorat an die jüdischen Feiertage überhaupt nicht gedacht hat, auf sie auch bei Aufstellung des Programms nicht aufmerksam gen,acht worden ist. Diese Annah,ne erscheint so naheliegender, als selbst das jüdische Mitglied, das den Ausschußberat,ingen beiivohnte, das Znsamineutreffen des Kommerses mit dem Versöhnnngstage übersah, eine Tatsache, die bei Benutzung eines Kalenders nicht hätte vorkominen können. Seil der fraglichen Ausschußsilzung geschah seitens der jüdischen Studenten längere Zeit nichts. Das Schreiben des B. I. St. kam wohl nie in die Hände des zuständigen Ausschusses oder gar des Rektorats, das somit vor dc: endgültigen Festlegung des Progranuns von den Wünschen der. jüdischen Studenten über eine Verlegung des Festes nichts wissen konnte. Von dem Znsarnmentresfen lies Kommerses mit dem Versühnungsfeste erlzielt der Rektor erst Ende Juli durch | das gemeinschaftliche Schreiben der genannten

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