KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1910-1911
- Issue
- Heft 2 (1.11.1910)
- Date
- 1910-11-01
- Page
- Seite 28 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2268830-2268861-2268864--0040-2269228- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
rs 26 Sschen Prediger glich, während Leo, der mit seinem Volk noch Palästina ziehen wollte, in Gesichteischnitt und Haltung ihn an die Bildsäule eines griechischen Jünglings erinnerte. die er einmal im Vatikan oder im Museum von Neapel gesehen hatte." Merkwürdig, typisch und immer interessant sind auch alle anderen Begebenheiten des Buchs, das sich nicht nur in Debatten erschöpft, sondern auch durch die Linie, seiner Handlung helle Streiflichter auf jiidische Angelegenheiten und Konflikte wirft. Aber nie mit grober Absichtlichkeit, sondern leichthin und immer von der Anmut Schnitzlers gestaltet. Wer fühlte sich nicht bewegt durch'die Tragik und Komik jenes Vorgangs, wo der junge Ehrenberg, uni seinen snobistischen Respekt vor dem Katholizismus zu zeigen, beim Passieren einer offenstehenden Kirche den Hut lüftet, worauf der alte Ehrenberg, der gerade vorbeigeht, dem Sprützling eine. Ohrfeige herabhnnt, man denke, einem Reserveleutnant auf offener Straße vom Vater, den er nicht heransfordern kann, eine Ohrfeige. Der Ghettogeist rächt sich so an dem abtrünnigen Enkel wie ein Naturereignis. Oder der Doktor Stäuber wird im Plenum des Parlaments mit: „Ind', Halts Maul" angepöbelt, und im Foyer kommt später der Zwischenrufer und grüßt, als wäre nichts geschehen: „Habe die Ehre, Herr Doktor, auch eine Erfrischung gefällig?" Und der Sohn eines solchen Gentleman entschuldigt seinen Radfahrklnb vor dem Vorwurf des Antisemitismus: „O, Sie machen sich falsche Begriffe, wir haben zum Beispiel einen im Klub, der ist mit einer Israelitin verlobt." Er sagt Israelit, weil er sich gerade in eineni persönlichen Gespräch mit Inden befindet. Bei der Fülle von Einzelheiten, die in diesem Buche stecken, in dem nur Juden auf- MkaSrmische .. - - rrrr-S Werti«. Die Jahrhundertfeier der Berliner Friedrich Wilhelms-Uni. versität fand in der Zeit vom 11. bis 14. Oktober statt und nahm bei reger Beteiligung des In- und Auslandes einen glanzvollen Verlaus. Ueber die Einzelheiten der Feste, die Reden. Stiftungen. Ehrenpromotionen haben die Tageszeitungen eingehend berichtet. tauchen, „die sich entweder schämten, daß sie Juden waren, oder solche die stolz darauf waren mtb Angst hatten, man konnte glauben, sie schämten sich", sollte hier nur eine Anregung gegeben werden, sich mit ihm vertrant zu machen. Es ist dies nicht allein eine literarische Freude, sondern auch eine wundersame Anregung, über sein eigenes Judentum nächzndenken. Denn tua res ngiiur. Und der junge und jüngste Kartellbrnder, der den Schal; seines allgemeinen Wissens dadurch erweitert, wird in der Handlungsweise des jungen Gvlowski, wie dieser sich selbst als Soldat einem antisemitischenOffizier gegenüber mit' Kraft durchsetzt, einen unvergeßlichen Ansporn haben, immer kraftvoll seine jüdische Ehre zu wahren. Man kann zwar den Oberleutnant bedauern, der an den Unrechten gekommen war und mit seinem Leben büßen mußte, aber über dieses Einzelschicksal hinaus hat doch der Satz seine große Berechtigung: „Man muß doch sagen.es stünde manches anders in Oesterreich, wenn alle Juden entsprechenden Falles sich so zu benehmen wüßten wie Leo Golowski." Hier berührt sich die Seele Schnitzlers mit dem optimistischen Prinzip des K.-C. Kraftvol les Selbstbewußt sein gepaart mit richtigem Benehmen ist allein im Stande, die letzte feindseligste Schranke, nämlich den Antisemitismus der „guten Gesellschaft", zu überwinden. Und weil der schöne Roman Schnitzlers in dieser mannhaften Weise ausklingt, mag es mir vergönnt gewesen sein, in unserem Verbandsblatt auch einmal literarische Propaganda gemacht zu haben, denn was suchen wir anders, als auch unfern Weg ins Freie:?er sspera ack astra. >--- - Nachrichten. leuchtnng. wenn man die Vorgänge über- Ihr einstimmiges Urteil ging dahin, daß die Feier sich zu einer bedeutsamen Kundgebung ernster deutscher Wissenschaft gestaltet habe. Das glänzende Einvernehmen, das zwischen Professoren und Studenten bestehe, wurde in Won und Schi ist lobend erwähnt. Diese „Harmonie" erhält aber eine eigenartige Be-