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KC-Blätter · 1910-11-01 · Heft 2 (1.11.1910) · p. Seite 26

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Journal
KC-Blätter
Volume
1910-1911
Issue
Heft 2 (1.11.1910)
Date
1910-11-01
Page
Seite 26 (sequence 8)
Language
German
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SSL 26 JSL denz wirken sollen. Der K. C. wird, wie ich auS Berlin höre, ans.dem Gebiete des Rudersports auch nicht mehr lange auf sich warten lassen. Unsere Fechtschneidigkeit zweifelt man heute nicht mehr an, unsere Sportfreudigkeit, wenn wir ihr einen korporativen Charakter geben, möge dann auch allen, die es noch nicht wissen wollen, einleuchten. Schnihlkrs: „Weg in's Freie". Von vr. Ernst Hochschild ((Hhibtllinia) Colmar i. E. Im Jahrgang 1898 der „dienen Rundschau" veröffentlichte der WieucrDichter Arthur Schnitzler nach vielen Jahren literarischen Ruhmes feinen ersten Rvman, dem er den Titel der „Weg in's Freie"') gab, weil der im Vordergrund aller Geschehnisse stehende aristokratische Komponist Georg von Wergenthin nach einem Liebesjahre mit der feinen, stillen Anna Rosner sich loslöst zu neuer Freiheit. Die vielgeriihmte Anmut Schnitzlers, die selbst in seinem gewagten „Reigen" zunächst seine Grazie, daml erst die Unverhnlltheit der Vorgänge bewußt werden läßt, hat auch über jenen Roman einen Zauber gelegt, der immer wiedr gefangen nimmt. Von unsichtbaren Fäden geleitet, treten die wicnerischenDamennnd Herren auf und bewegen sich, als ob sie nicht für ein Leserpublikum von einem gestaltenden Künstler ersonnen seien. Wir haben den Eindruck des Lebens selbst, und ohne zu wissen wie, sind wir selbst unter ihnen mtb vergessen ob der herrlichen Leichtigkeit der Erzählung die konkrete Welt, in der'wir selber stecken. Das Buch ist. wie es nur die besten Bücher sein können, zugleich voller Klarheit und voller inneren Musik, die nicht durch schöne Worte bewußt erzeugt wird, sondern aus der ungeahnten Tiefe der glitzernden Oberfläche hervvrdringt. Wenn ich ganz subjektiv reden darf, kann ich sagen, daß es mir das liebste Buch ist, das mich die mvderlle Produktion kennen lernen ließ. Es hat keinen Aniang. es har kein Ende. Es ist ein Ausschnitt ans einer der kultiviertesten Welten, so daß wir, wie es auch im Leben geht, nn mittelbar in bewegte Vorgänge hinein gebracht werden und scheiden müssen, bevor sich jedes Schicksal erfüllt. In dieser wienerischen Welt von Künstlern, 9 Bei S. Fischer, Berlin auch als Buch erschienen. Literaten, schönen Frauen und Nichtstuern hat Schnitzler kräftig den jüdischen Einschlag betont. Um Georg, den Germanen, Christen und Freiherrn („welcher Jude könnte diesem Zauber widerstehen") bewegt sich die Schar jüdischer Herren, und er in seiner weichen. liebenswürdigen Unbefangenheit nimmt sie zu seinen Freunden. Kein Wunder, daß dann die Lebhaftigkeit und Verschiedenheit der Temperamente zu tiefgehenden Anseinandersetznngen fiihrt, die zu den innerlichen Vorgängen in Georgs niib Anitas Wesen in einem merkwürdigen Gegensatz stehen. Schnitzler hat aber den künstlerischen Mut, neben die erotischen Borgättge die Auseinatidersetzuttgen moderner Inden über ihr Indelttnm zu stellen, er scheut nicht davor zurück, neben den Kampf der Geschlechter um ihre Selbstbehauptung den Kampf der Rassen tmt ihre Heimatsrechte zu bringeti. Hier ist nicht der Ort nachzniveiseih daß die dadurch' bedrohte künstlerische Einheit in der Darstellung nicht gefätrdet ist, weil auch die jüdische Mannesseele ihren „Weg ins Freie" ans beschränkten Vorurteilen sucht, und di? leichte Hand Schnitzlers tvie mm ungefähr ans der natürlich tonfessionslosen Sphäre der Fratl in die jiidische Frage überleitet und alle Personen so verknüpft sind, daß erst nach der Lektüre die Frage anftancht: „Gehören eigentlich die beiden Probleme in ein Buch?" Diese Frage der liternrischett Kompositiott kann in den K. C.- Blättern müßig erscheinen, was uns hier interessiert, sind die jüdischen Enklaven in dem Liebesroman. Schnitzler, selbst ein geborener Jude, dem trotz seines unbestrittenen Primats in der österreichischen Schriststellerwelt der bru-' täte Antisemitismus der genugsam bekannten österreichischen Radanparteien in der Seele brennt, beantwortet selbst die Frage nicht, worin für den in die Mitte europäischer Kultur gestellten Inden die Lösung beruht. Er läßt b;c Geister in feingeschliffenen Thesen aufeinanderplatzen, führt:ims znm idealen Zionisten, stellt ihm den absoluten Antizionisten gegenüber und sagt: „Seht, so sind sie! Das ist es, was ans ihnen schreit. Wer mag da entscheidenV" Es wäre töricht, der Toleranz,' die im Buch jede Meinung sich nussprechen läßt, einen Vorwurf zu inachen. Ein guter Roman soll keine Agitationsschrift sein, sondern ein Spiegel der Welt. Hält nun eilt so scharfer Beobachter und feiner Geist, wie

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