KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1910-1911
- Issue
- Heft 1 (1.10.1910)
- Date
- 1910-10-01
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
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1Ö kehrsgast vis-ävis haben ihre Rass e behalten. als der eine vielleicht nach bestandenem Abiturium, der andere vielleicht schon bei Geburt die Taufe empfing. Kurz! Es besteht die Tatsache, daß die deutsche Burschenschaft (genau wie andere asemitische Körperschaften) solchen Juden gegenüber, die sich der Taufe unterziehen, ihre „ablehnende Haltung" aufgegeben hat und aufgibt. Das ist ein Faktum, für das einerseits zahlreiche lebende Beispiele sprechen und das andererseits unverständlich ist und unverständlich bleiben muß. Zu verstehen wäre diese Handhabung der Burschenschaft, wenn man annehmen wollte, daß die Burschenschaft Missionszwecke oder, da man bei den meisten Aebertretenden wohl kaum von einer Bekehrung reden kann, die Absicht verfolgt, zu der zahlenmäßigen Kräftigung der christlichen Kirche beizutragen. Das ist aber ein Prinzip, das in der Burschenschaft weder begründet liegt, noch je von einem Burschenschafter vertreten worden ist. Dagegen läßt sich denken, wenn auch nicht verstehen, auf welche Weise die Durchbrechung des Prinzips der „ablehnenden taltung" durch Aufnahme getaufter Juden zu lande kommt. Der Konvent der einzelnen Burschenschaft hat an dem jüdischen Herrn stud. X. nichts auszusetzen oder, wie es meistens der Fall ist, es liegt ihr sogar etwas besonderes an dem Eintritt des H rrn stud. X. in ihre Reihen. Nun ist die Burschenschaft aber durch die oben angeführte Resolution bezw. durch Gewohnheitsrecht daran gehindert, Herrn stud. X. oufzunehmen, weil er Jude ist. Doch dem kann ja abgeholfen werden; es sind dazu nur zwei .... Inkonsequenzen notwendig: Herr §tud. X. braucht nur-hinwegzuwerfen. was er ererbt von seinen Vätern hat, ohne es zu besitzen, nämlich seine Religion, und die Burschenschaft braucht sich nuran den Wortlaut der Resolution von 1896 zu halten, denn Herr stud. X. ist seit einer Stunde nicht mehr jüdisch. Lilentium: Zwei Inkonsequenzen haben einen „deutschen Burschen" erzeugt. Eine solche Handhabung hat aber weitere Folgen, für die man natürlich auch die Burschenschaft verantwortlich machell muß. Man mag über Religion denken, wie lnan 4vill; jedenfalls bedeutet jeder Uebertritt, der nicht rein religiösen Empfindungen entspringt, also äußerer Momente und Vorteile halber, eine Gesinnungslosigkeit, im Falle des Uedertritts von dem um seine Gleichberechtigung schwer kämpfenden Judentum zu ' dem überall geschützten Christentum dazu noch eine Feigheit, einen Verrat. Und die mit Stolz dem Wahlspruch: „Freiheit. Ehre, Vaterland" führende Burschenschaft nimmt den jüdischen. Studenten die Freiheit, öffnet den Ehrlosen die Tore und glaubt, dem Vaterland durch s o l ch e „deutsche Burschen" zu nützen. Eine notwendige Folge des Umstandes, daß die deutsche Burschenschaft nur die eben charakterisierten jüdischen Studenten in ihre Reihen aufnimmt und dadurch nur diese näher kennt, ist es, daß die einzelnen Burschenschafter ein ganz schiefes Bild von. einem j ü d i. s ch e n Studenten erhalten. Dem Inden, den sie in ihren Reihen sehen, haftet zunächst der Makel des Uebertritts um äußerer Vorteile willen an. ich nannte das Gesinnungslosigkeit, Feigheit, Verrat; die deutsche Burschenschaft mag das milder beurteilen, doch seniler aliquid hacrct. Ferner hebt den Charakter des durch die Taufe zllm Burschenschafter gewordenen Juden sicherlich nicht die Mißachtung, die er gegenüber seinen noch ungetauftcn Eltern, vielleicht auch nur Großeltern und Verwandten empfinden muß, da diese noch „verächtliche" Juden sind; ein würdiges Gegenstück zu dem deutschen Stolz auf Ahnen und Sippe. Solche Prachtexemplare, die einem „gewöhnlichen" jüdischen Studenten gegenüber doch ein beträchtliches Minus aufzuweisen haben, spielen in der deutschen Burschenschaft dann eine Rolle; sie zeichnen mit etlichen Charqiertenkreuzen und sind Vertreter auf den Veröandstagcn. Wenn wir daraus das Facit ziehen, indem wir uns fragen, zeugt die Aufnahme getaufter Juden von einer weiteren Entwicklung der Judenfrage in der deutschen Burschenschaft, so müssen wir die Frage vollständig bejahen; denn der Grund zum Ausschluß der Juden war der Rassenantisemitismus: diese Grundlage hat die deutsche Burschenschaft aber verlassen, indem sie ihre „ablehnende Halttlng" gegenüber solchen Juden aufgegcben hat u»td aufgibt, die zwar nicht mehr der jüdischen Religionsgemeinschaft angehören, aber ihre Rasse nicht abstreifen können. Ich möchte hier bald dem Vorwurf begegnen, als ob ich aus irgend einem Einzelfall meine Folgerungen zöge. Es handelt sich vielmehr um einen ganz beträchtlichen Prozentsatz, der sich aus mehreren Kategorien zu-