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KC-Blätter · 1910-10-01 · Heft 1 (1.10.1910) · p. Seite 8

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Journal
KC-Blätter
Volume
1910-1911
Issue
Heft 1 (1.10.1910)
Date
1910-10-01
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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8 J&L wörtliche Pflicht gebunden, zwingt grade die Studenten, deren Temperament des Zügels bedarf, zum Jnnehalten strenger Disziplin. Sie unterdrückt keineswegs die Individualität, sondern läßt ihr gerade in den Werdejahren zwischen gewissen Schranken und Direktiven ausgiebig Spielraum. Die Freundschafloerpflichtung, das Einstehen des Mannes für den Mann, die gegebene Möglichkeit, den anderen in jedem Momente zur Rechenschaft zu ziehen und ihm den rechten Weg zu weisen, die sind eS. die in den Symbolen des Korporatio ns wese ns ihren Ausdruck finden. Sie atlch gaben uns. einem jungen Verbände, Machtstellung im akademischen Leben, dazu eine gewisse Ueberlegenheit vor jüngeren Verbänden ähnlicher Bestrebung, zumal im Verkehr mit unseren Gegnern und bei ihrer Bekämpfung. Ihr führt, Ihr Aktiven, die traditionelle M ü tz e als Freiheitsymbol, der äußeren und der inneren. Der äußeren, daß sie mit ihrer aufdringlichen Oesfentlichkeit auch unsere Jüngsten und Zagsten zu Bekenner» zwinge. Wem es heute von der bunten K. C'er Matze leuchtet, dem ist der Judenfleck ausgeprägt, und dem wird wie im alten Sprevenliede „der Schandfleck znm Ehrenzeichen". Und vom innerlich freien Menschen kündet dann die Farbenfrohest. Unbeengt von Zopf, von kleinlicher Beurte'lung des Mitmenschen, von dem. was wir als Philisterei mehr fühlen als definieren können, sei der echte Bursch. „Nunquam ret*-orsum“ heißt der Rheno-Silesenspruch auch in dem Sinne. Doch bei allem Fortschritte der Lebensauffassung. . trog der sich ändernden Zeit stehe und falle die Verbindung mit ihrer Tradition. Ihr, ihr Burschen und Füchse, übernehmt mit M ü tz e und V a n d und farbigem Speer wieder ein Stück alten Badenenruhmes. den widrige Zeit umflort hatte. Freut Ellch des wiedererlangten und haltet ihn so rein und in Ehren, wie ihn Euch die Tradition überliefert und die Pflicht Euch es gebeut. Und wisset, daß Ihr dtirch redlichen Eifer Ellch die Liebe und Achtung Zahlreicher im Lande sichert. Nicht leichtes Tun vertrauen wir Eurer Hand und fordern zu strenger Pflichterfüllung selbst die Jüngsten und Scheuesten. Doch die Tradition, die Euch von weit schwereren Kämpfen sagt ltnd singt, als sie Eurer harren, gebe Euch Kraft und heiligen Ernst, und über der Sehnsucht der Jugend nach froher, ungetrübter Genußstnnde stehe allen das Endziel. Einst war es eine neue Weltanschauung, die die Viadrina und mit ihr uns alle die düsteren Worte ..nemo me impune lacessit“ wählen hieß, — heilt' ist jene Anschauung für uns Juden ein Menschenalter schon überdauernd; doch noch trübt manche Stunde unverändert die bittere Judennot. das Gefühl für Schmach und die Sehnsucht nach anerkannter Ehre. Die harte Verpflichtung und den Weg. sie zu erfüllen, haben Euch. Aktive, 20 Jahre der Arbeit gezeigt, jetzt geht, in wackerem Strebell auf dein Pfade, den andere geebnet, rüstig voran! Was Ihr in diesem Semester gearbeitet, zeigt Euer Wollen und Können. Dafür der Dank der Alten Herren, die Euch am heutigen Tage zurufen: Euer Becher, Eller Lied, Euer Speer allezeit der Ehre des K. C., de«! jüdischen Studenten. Die deutsche Äurschenschast und die Juden. Aon Pail! Schindler(Thuringia) inLoewcn (Schl.) Vor ultgefähr 5 Jahren erschien aus der Feder meines Kartellbruders Bruno Weil ein Büchlein betitelt: „Juden in der deutschen Burschenschaft". Das kleine Werk fand eine gute Aufnahme und selbst die „Burschenschaftlichen Blätter" stellten dem Verfasser das Zeugnis aus, daß die Darstellung objektiv gehalten und dadurch die Bedcutullg der Schrift gesichert sei. Der kleiile Band verfolgt die Judenfrage in der deutschen Burschenschaft bis zu dem B u r s ch e n t a g e 1 8%, wo auf Betreiben eines aktiven Burschenschafters folgender Antrag auf die Tagesordnung gesetzt war: „Die Burschenschaft steht auf dem Standpunkt des deutschen Volkstums; daher können nur Studellten deutscher Abkunft bei ihr Aufnahme finden. Anlnerkllng: Jüdische Reichsangehörige sind nicht als Deutsche zu betrachten." An Stelle dieses Antrages wurde folgende Resolution angenommen: „Der A. D. E. stellt fest, daß die aktiven Bltrschenschaften zur Zeit, ebenso wie in den letzten Semestern keine jüdischen Mitglieder haben. Im Hinblick auf diese Tatsachen gibt der A. D. C. der Erwartung Ausdruck, daß auch in Zukunft die Burschenschaften in

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