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KC-Blätter · 1910-10-01 · Heft 1 (1.10.1910) · p. Seite 5

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Journal
KC-Blätter
Volume
1910-1911
Issue
Heft 1 (1.10.1910)
Date
1910-10-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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<ü) F> <&> handgehen auch in der Propaganda. Mag man \ sich im übrigen zum Zionismus stellen. wie man will, das eine muß man ihm lassen: Er hat es stets verstanden, nicht blos seine Parteipresse, sondern auch die Presse anderer Organisationen, ja sogar, solcher, die in einem gewissen prinzipiellen Gegensalz zum Zionismus stehen, geschickt und — ungeniert für seine Zwecke auszunutzen. Und weil insbesondere der B. I. E. letzten Endes von denselben politischen Agitatoren geleitet und geschult wurde, hat auch er sich eine nicht geringe Gewandheit in der Handhabung der Presse als Agitationsmittel angeeignet. , In dem Mangel einer engen Verbindung. wenn nicht mit einer politischen Partei, so doch mit einer gleichstrebenden großen Organisation, deren Tätigkeit sich nicht auf das akademische Milieu beschränkte, lag ein Moment der Schwäche für den K. C. im Verhältnis zu den oben genannten jüdisch-zionistischen und antisemitischen Verbänden. Hätte hinter dem K. C. eine politische Pgrtei oder eine große Organisation gestanden, so hätten nie und nimmer Besorgnisse materieller Natur oder die Befürchtung einer nicht unter allen Umständen genügenden literarischen Solvenz die Herausgabe eines eigenen Verbandsorgans hintanhalten können. Freilich hat die splenckick isolstion, in der Jahre hindurch die ältesten Verbindungen im K. C. ohne alle Unterstützung, ja sogar ohne ein auch nur platonisches Wohlwollen seitens irgend einer in Betracht kommenden Organisation, ihren mühe- und opferoollen Kampf führten, ihre Rückwirkung auf die psychologische Verfassung der älteren K. C.'er. und die so im K. C. geschaffene Stimmung wiederum ihre Rückwirkung nach der anderen Seite gehabt: Als die V i a d r i n a zu Breslau und die Baden!a zu Heidelberg Jahre vor der Gründung des Centraloereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, ja sogar vor der Gründung des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus. die jüdische akademische Jugend zur Selbstverteidigung ihrer mit Füßen getretenen Ehre auf- und zum Selbstbewußtsein zurückriefen, empfing sie zunächst gerade in den Kreisen, denen ihr Bemühen vorzugsweise galt, Unverständnis, Aengstlichkeit. Kälte und Hohn. Manch einen von uns Alten aus der Breslauer und Heidelberger Verbindung mag heute gelegentlich ein Gefühl des Mitleids und doch auch der tuun^üb<rkouiuicu, w<nu er — a <|uaemutatio rerum — da und dort einen »alten Bekannten* aus der Studentenzeit her als »Präsident" oder sonst etwas den allezeit selbstbewußten und mutigen Juden markieren sieht, der damals, wo das Verkriechen noch Mode war und das offene Bekenntnis zur jüdischen Gemeinschaft nicht zum guten Tone gehörte, sich ebenso tapfer verkroch, sein Judentum ebenso mutig zu verbergen und unsere Tendenzen zu bekämpfen für gut fand, wie er jetzt unentwegt den ..Oberjuden" herausbeißt. Ter jahrelange Kampf, erbittert nicht blos; gegen den Antisemitismus und seine Vertreter an den Hochschulen, sondern auch gegen Gleichgültigkeit, mangelndes Empfinden für die Ehre der Gemeinschaft, gegen Hohn und Zurückweisung im eigenen Lager mit dem schließlichen Erfolge der Aufrüttelung der jüdischen akademischen Jugend und weiter Kreise der jüdischen Bürgerschaft geführt, hat in den ältesten K. C.ern etwas wie selbstbewußt-stolze Zurückhaltung erweckt. Sie war das psychologische Ergebnis der Verbitterung in dem jahrelang gegen das Vorurteil der ungeheuren Mehrzahl der Glaubensgenossen ohne Unterstützung von irgend einer Seite geführten und erfolgreich geführten Kampfe. Aus ihr erwuchs das Bedürfnis, den K. C.. der sich selbst durchgefochlen hatte, auch dauernd unabhängig und selbständig allen nach ihm entstandenen und für die praktische Politik gewiß wichtigeren Organisationen gegenüber zu erhalten. Erst im Laufe der Jahre und in der tätigen Mitarbeit der einzelnen K. C.'er an den Bestrebungen dieser Organisationen, die den Gedanken der von uns. den jungen Studenten von damals, zuerst proklamierten Ehrenpflicht der Selbstverteidigung doch nur im größeren Nahmen verbreiteten und in die Praxis umsetzten, schwand allinählich die Verbitterung, nicht der heute noch berechtigte Stolz. Immerhin sollte mit aus den geschilderten Empfindungen heraus das Unternehmen einer regelmäßig erscheinenden Monatsschrift der K. C.-Kcrporationen nach der Ansicht der meisten K. C.'er nur dann zur Tat werden, wenn es auf die finanziellen und ideellen Kräfte des K. C. allein sicher gegründet erschien. Schon vor Jahren ermöglichte es die Tatkraft t!nd die Begabung eines Verbandsbrtlders, vr. Bruno Weil, einem größeren Kreise einen Einblick in die geistige Werkftätte des K. C. zu geben. Unterstützt von nur wenigen dazu, besonders, qualifizierten Mitgliedern des

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