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KC-Blätter · 1910-10-01 · Heft 1 (1.10.1910) · p. Seite 4

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Journal
KC-Blätter
Volume
1910-1911
Issue
Heft 1 (1.10.1910)
Date
1910-10-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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■JS- 4 _©:I. Denn daß diejenige Organisation, deren älteste Glieder den Gedanken der Selbstverteidigung der angegriffenen Ehre des Judentums überhaupt und der deutschen Inden insbesondere zu einer Zeit erfaßt und mit dem Feuereifer der Jugend propagiert haben, wo dieser Gedanke als etwas gänzlich Neues, Unerhörtes der großen Masse der Glaubensgenossen erschien, daß der K. C. erst jetzt dazu übergeht, in seinen und seiner Bestrebungen Dienst auch die Publiz i st i k zu stellen, muß auf den ersten Blick befremden. Haben doch andere studentische Verbände seit vielen Jahren sich eigene Zeitschriften geschaffen, deren Bestrebungen entweder an sich, weil sie lediglich allgemein anerkannten Idealen dienen, eine besondere journalistische Vertretung im Grunde nicht erfordern, oder aber, soweit sie etwa im Sinne und im Dienste bestimmter politischer und sozialer Strömungen standen und stehen, vielfach in schärfstem Gegensatz zu unseren Bestrebungen sich befinden. Wenn trotzdem erst heute der 5k. C. in den Besitz eines eigenen Organs ^gelangt, so hat das seine Begründung in Verhältnissen, deren Betrachtung einen nicht uninteressanten Einblick in die Geschichte des K. iS-, gewährt Die Erkenntnis von der Notwendigkeit. dem Verband als Mittel der Erziehung,- der Verteidigung und Abwehr, vor allem aber der Propaganda eine Zeitschrift zu geben, ist durchaus nicht neu. Schon bald nachdem im Jabre 1896 die bis dahin in einem einfachen Kartellverhältnis stehenden Verbindungen gleicher Tendenz sich offiziell zum Kartell-Convent zusammen geschlossen hatten, tauchte der Plan der Gründung einer Verbandszeitung auf. Seine Träger waren bezeichnenderweise damals im wesentlichen die Verbandsbrüder, in deren Personen sich heilte unsere Beziehungen zil den großen, über das ganze Reich sich erstreckenden jüdischen Organisationen mit den verschiedensten politischen und sozialen Zielen verkörpern. Der Plan scheiterte damals und mußte scheitern, weil die geringe Einzahl der materiell selbständigen und unabhängigen alten Herren im Verband es nicht gestattete, ein mit erheblichem finanziellen Risiko verbundenes Unternehinen ins Leben zu rufen. Es bedarf keiner Darlegung darüber, daß diese finanziellen Bedenken manches Jahr hindurch den immer wieder auftauchenden Plan ziinichte machen mußten. Inzwischen hatte sich die Zahl der alten Herren und der Verbandsmitglieder überhaupt, ebenso wie die finanzielle Leistungsfähigkeit des Verbandes so gehoben, daß der Gesichtspunkt allzugroßer finanzieller Belastung überwunden war. Aber ein anderer Umstand türmte sich jetzt der Ausführung des lange gehegten Planes entgegen. So eigenartig es angesichts der anerkannten journalistischen Begabung der Juden im Allgemeinen erscheinen mag, die Tatsache machte sich unverkennbar geltend, daß unter den Mitgliedern des Verbandes selbst nur eine v e r h ä l t n i s m ä ß i g geringe Anzahl schriftstellerisch Tätiger sich befand. Die meisten von uns fanden in ihrem Berufe — erfreulicherweise — so reiche Arbeitsgelegenheit, daß die Summe der den Einzelnen darüber hinaus für journalistische Betätigung allenfalls verbleibenden Muße lange Zeit hindurch nichl hinreichend erschien, um eine regelmäßig erscheinende Zeitschrift durch die Mitarbeit der Verbandsmitglnder allein für alle Fälle zu sichern. Die Gewahr aber, daß die zu schaffende Zeitschrift nötigenfalls genügend geistige Nahrung aus dem Kreise des Verbandes selbst dauernd erhalte, bildete nach Ansicht wohl aller Mitglieder des Verbandes die Voraussetzung für die Herausgabe der K. C. Zeitschrift. A n d e r e Verbände hatten nach dieser Richtung hin leichteres Spiel: Sie waren vom Momente ihrer Gründung an in engster Fühlung mit denjenigen politischen Parteien, in deren Geiste sie als akademische Korporationen auf die akademische Jugend Einfluß zu gewinnen suchten, und erfreuten sich naturgemäß aus eben diesem Grunde der wohlberechneten Unterstützung seitens der ihnen nahestehenden politischen Parteien. Das gilt beispielsweise vom Kyffhäuserverband der Vereine deutscher-Studenten, deren „Akademische Blätter" von vornherein die ziclbewnßte ideelle Unterstützung durch die Führer der antisemitischen Bewegung genossen. In noch höherem Maße aber kam die Verbindung mit einer bestimmten politischen Richtung dem B. I C. der Vereine jüdischer Studenten und dem ihm nahestehenden Kartell zionistischer Korporationen zu statten. Die Führer des Zionismus in Deutschland haben im wohl erwogenen Interesse ihrer Bewegung sich allezeit verständnisvoll in den Dienst dieser Korporationen gestellt, die ja nach einem bekannten Ausspruch nichts anderes als die „Kadettenschulen des Zionismus" sein sollten. Durch die eng: Gemeinschaft zwischen der agitatorisch überaus rührigen Führung des Zionismus in Deutschland und eben jenen Verbänden jüdischer Korporationen ergab sich ein Handin-

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