KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1910-1911
- Issue
- Heft 1 (1.10.1910)
- Date
- 1910-10-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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<£) 3 cv.' richtiger Erkenntnis dieser Forderung hat denn auch die Schriftleitung es sich zur Aufgabe gemacht', für eine ernste, künstlerische äußere Form unseres Blattes Sorge zu tragen. Es darf wohl gesagt werden, daß sie diese Aufgabe gut gelost hat. In dem Cölner Maler und Bildhauer H a n s W i l d e r m a n n ist ein Künstler gefunden worden, dessen Art in seltenem Maße dazu angetan ist. den Ideen, wie sie der Schriftleitung vorschwebten, den rechten Ausdruck zu verleihen. Wer die künstlerische Individualität Wildermanns und seine Werke kennt, dem konnte es von vornherein nicht zweifelhaft sein, daß von ihm keines jener „Kunstwerke zu haben war, mit der leider heute noch — auch auf diesem Gebiete sind Ansätze zum Besseren da — die studentische Jugend von einer üppig blühenden Dedikationsindnstrie beglückt wird. Ihm konnte es auch nicht genügen, irgend einen Borgang des studentischen Lebens in sogenannter idealisierender Darstellung festzuhalten.— ein solcher, dem realen Leben entnommener Vorwurf muß schon wegen der Vermischung von Alltäglichkeit und Pathos unharmonisch und daher unkünstlerisch wirken; ganz davon abgesehen, daß er niemals gerade das Höchste unserer Idee ausschöpfen kann. Es mußte aber das Streben des Künstlers sein, den Ideen und den Zielen unseres Verbandes den stärksten und letzten Ausdruck zu verleihen. Er mußte also unter Verzicht auf alles kleinliche Beiwerk und illustratorische Erklärungsversuche. rein mit den Mitteln seiner Kunst arbeitend, die Idee des edlen Kampfes und der Hoffnung auf Sieg zur Darstellung bringen, jene Idee, die in unserem alten Friburgenwahlspruch: „per aspera ad astra“ wohl den besten Ausdruck gefunden hat. Betrachten wir unter diesem Gesichtspunkt das von Wildermann entworfene Titelblatt, so müssen wir bekennen, daß er seine Aufgabe glänzend bemeistert hat. Drei Jünglingsgestalten von kraftvoll-edlem Ausdruck stürmen über Felsen hinan vorwärts zur Höhe. Durch die starke Betonung der vertikalen Linie und die mehrfachen Ueberschneidungen des Rahmens bekommt der Vorgang eme überaus lebendige, das Vorwärtsdringen eindringlich bezeichnende Rote. Dabei wird aber olles Unruhige durch die fein abgewogene und dabei ungekünstelte Raumverteilung und Linienführung vermieden; es wird das Bild harmonisch zusammengehaltener Kraft erzeugt. Die stärkste künstlerische Wirkung empfängt die Darstellung aber dlirch die äußerst reizvolle Verteilung von Licht und Schatten. Indem der Künstler den natürlichen Vorgang des Durchbruchs der Sonne durch die Wolken mit den einfachen Mitteln der Schwarz-Weißkunst so wirkungsvoll darstellt, daß das Blatt dem Beschauer einen farbig leuchtenden Eindruck hinterläßt, übermittelt er, ohne daß es nötig wäre, von außen etwas in das Bild hineinzugeheimnissen, die Vorstellung des Lichtfrohen, Hoffnungsvollen. So wachsen alle Werte aus der Form und Gestaliung des Bildes heraus und gewinnen einzig aus ihr tiefe, symbolische Bedeutung. Wie dürfen uns freuen, eine solche Interpretation unserer Ideen gefunden zu haben, und es ist ein Ziel, aufs innigste zu wünschen, daß der Inhalt unserer K. E.-Blätter stets der würdig-ernsten Schönheit der Gewandung entspricht : Kalog KayaOog! Zur Vorgeschichte der K. L.-Zliitter. Vl'ir Dr. Tlai Mainzer (Badenia-Sprevia) Frankfurt a. M. Mit der Herausgabe der K. E.-Vlätter tritt unser Verband in ein neues, bedeutungsvolles Entwicklungtzstadium. Seine Arbeit, bisher der Beobachtung durch eine größere Oeffentlichkeit entzogen und wohl auch in den Anger: vieler, die an den Hochschulen selbst seine Tätigkeit verfolgten, sich in rein studentischen Bahnen bewegend, soll und wird fürderhin in ihrer über den Nahmen der Hochschule weit hinausgehenden Bedeutung für den Karnpf der deutschen Juden um ihre Gleichberechtigung und in ihrem Zusammenhang mit der Tätigkeit der großen Organisationen der deutschen Juden für jedermann erkennbar hervortreten. — Die erzieherische Aufgabe des K. C., vor allem die Heranbildung arbeitsfähiger und arbeitswilliger, wohldisziplinierter Streiter und Führer im Gleichberechtigungskampf ist zwar bisher schon mit Erfolg durchgeführt worden, wie ein Blick auf die Namen der Vorstandsmitglieder aller großen Verbände lehrt. Diese wichtigste Aufgäbe des K. C, ebenso wie die Aufklärung der jüdischen und nichtjüdischen Oeffentlichkeit über unsere Bestrebungen, hätte aber seit langem die Schaffung eines eigenen publizistischen Organes wünschenswert, wenn nicht notwendig erscheinen lassen müssen.