KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1910-1911
- Issue
- Heft 1 (1.10.1910)
- Date
- 1910-10-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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.sffi. Nachdem so viele Verbände, und nicht nur die größten, ihr eigenes Verbandsorgan hatten, mußte es beschämend für uns sein, daß wir es ihnen darin nicht gleichtun konnten. Wir Aelteren wissen es ganz genau, daß der letzte Mampf um unsere letzte Gleichberechtigung unser nicht nur als tapferer, sondern auch als hochgebildeter Menschen bedarf, die in jeder Lage des Lebens nicht bloß mit der Waffe in der Hand, sondern auch durch ein freies und starkes Wort im Kampf der Meinungen gehässige Stimmen widerlegen können. Wenn wir nun über eine eigene Presse verfugen, so wird der geistigen Erziehung des jungen Kartellbruders ein vorzügliches Lehrmittel geboten sein, ans dem er Stimmen auch von andersher als nur von seiner Korporation hört, und die ihn zwingen müssen, sich mit all den Meinungen auseinanderzllsetzen, sei es mit sich selbst, sei es im Verkehr mit den Bnndesbrüdern und sei es aitci) durch die eigene Feder. Denn das ist unsere starke Hoffnung, das; die Al. E. Blätter erlösend auf noch schlummernde schriftstellerische Neigungen wirken, so das; jedes neue Blatt beim Lesen neue Lust erzeugt, mitzutnn und als Mitarbeiter das Haus ausznbanen, das mit dem Wimpel ans dem Dach heute fertig geworden ist. Nachdem durch die erste Nummer der Bann gebrochen ist, der über uns lag, gehen wir fröhlichen Mutes weiter an die kommende Arbeit. Mehr wie je besteht jetzt die Pflicht, den schönen Gedanken des .\i. E.-Blattes nicht fallen zu lassen. Wir kennen alle die Hauptschwierigkeit, die dem Blatt bisher gegenüber stand. Es war dies die Energielosigkeit, uns zu rühren. Da wir das .Lind aber besitzen, wäre es eine besondere Treulosigkeit, es mm im Stich zu lassen. Kinder, mögen sie auch von manchen Eltern nicht gewollt sein, haben doch ihren natürlichen Anspruch ans Wartung. Tantm, liebe Kartell brüder, diese Nummer ist nicht nur ein herzlicher Gruß an Euch alle, sie ist auch eine eindringliche Bitte: „E u r e K. C.-Blätter zu lieben und zu fördern. Dr. H. (Eilt Wart;ur tliiischliWcichiiiiiig. Von Adolf Alsberg ty-ribllrgia. Rhcno-silcsia) in Mn. Es ist ein charakteristisches und bedeutungsvolles Merkmal der Kultur unserer Tage, daß sie auch der äußeren Erscheinung der Dinge einen starken Wert beimißt, daß überall das Bestreben heroortritt, dem Gehalt der Dinge die würdige Form zu finden und allen Aeußerungen des Lebens den Stempel des Schönen aufzudrücken. Dieses Bestreben gibt sich ebenso kund bei dem geistigen Schassen unserer Dichter, wie bei den technisch-industriellen Schöpfungen unserer Werkmänner, wie auch bei dem Wirken unserer praktischen Sozialpolitiker. Ein Ausfluß desselben Zeitgeistes ist es. wenn, auf der einen Seite Nrchard Dehmel. wohl der stärkste Erfasser der Psyche unserer Zeit, seinen dichterischen Schöpfungen jene eigene adäquate Form verleiht, die uns immer wieder in den Baun des Dichters zwingt, oder wenn auf der anderen Seite eine unserer führenden industriellen Unternehmungen sich einen Stilkünstler wie Peter Behrens dienstbar inachr. um ihren nach den Prinzipien strengster Zweckmäßigkeit geschaffenen Erzeugnissen auch künstlerisch dir beste Form zu geben. Und demselben Zeiten»pfinden entspringt es schließlich, wenn die Organe der Wohlfahrtspflege an allen Enden bemüht sind, die Siedelungen der Lohnarbeiter von der erschreckenden Oede und Trostlosigkeit gleichförmiger Mietkasernen zu befreien und an deren Stelle freundliche, menschenwürdige Heilnstätten zu errichten. Immer mehr kolnmt es auch denjenigen'zum Bewußtsein, die ästhetischen Fragen im Allgemeinen fernstehen, daß das KaloKuyuboi der Griechen, die Vereinigung tes sittlich und geistig Tüchtigen mit dein Schönen, auch unserer Zeit vor Allem not tut und als gewaltiger Entwicklungsfaktor zu gellen hat. Hat man aber diese Erscheinung in ihrer ganzen Wichtigkeit und Tragweite erst begriffen — und »nan kann nicht mehr blind an rhr vorübergehcu —, dann ist es Jedem unabweisbare Pflicht, mitzuwirken an der Forderung und Vertiefung dieses Kulturproblerrrs. Wir K. E.'er, die wir mitten im Karnpfe stehen gegen kulturfeindliche Mächte, haben doppelt diese Pflicht. M»t der Forderung kulturellen Fortschritts fördern wir unsere eigeltste Sache. Denn nur die Erstarkung des Knlturbewußtseins und damit des Kulturgewissens kann mit jener Schmach aufräumen, der unser Kampf gilt. Mit dem Tage, an dem wir den Beschluß faßten, ein Organ zu schaffen, das unseren Bestrebungen Ausdruck verleihen und unsere Ideen in weitere Kreise tragen soll, erwuchs uns auch die Pflicht, diesem Organ eine Form zu geben, die der hohen Ziele, die wir uns gesetzt haben, würdig und angemeffen ist. In