Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 3 (1906)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1906)
- Article
- Die Griechen in Ägypten
- Date
- 1906-12-01
- Page
- Seite 369 (sequence 3)
- Language
- German
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— 369 — nach die griechische Regierung die Ausfuhr des verpönten Haschisch nach Aegypten verbietet. Schliesslich aber sind die Griechen Aegyptens infolge ihrer eigentümlichen Zwitterstellung — sie sind fast ebenso sehr Orientalen wie Europäer — am geeignetsten, den Erzeugnissen des Abendlandes den morgenländischen Markt zu . eröffnen. Für diese Vermittelung darf die Bedeutung der Griechen keineswegs unterschätzt werden; der ungeheuer gesteigerte Absatz europäischer Kulturerzeugnisse in Aegypten ist in erster Linie den Bemühungen der griechischen Kommissionäre und Kaufleute zuzuschreiben. Der Grieche wird von den Aegyptern in den meisten Fällen gehasst, er wird als fremder Eindringling, der seine geschäftliche Ueberlegenheit zum Schaden der Eingeborenen ausnutzt, betrachtet. Anstoss erregt auch das ausgeprägte griechische Nationalgefühl. Es gibt griechische Familien, die seit Generationen im Nillande angesiedelt sind, und doch haben deren Mitglieder griechische Sprache und Sitte sich vollkommen erhalten. Freilich wird dies durch die grosse Anzahl der in Aegypten ansässigen Griechen erleichtert, die Mitglieder der Kolonie können ja fast ganz unter sich leben. Ferner trägt die Religion viel zur Erhaltung der Nationalität bei; Mischheiraten zwischen Mohammedanern oder selbst Kopten und Griechen kommen nie vor. Ehen zwischen christlichen Syriern und Griechen sind infolge der Uebereinstimmung des religiösen Bekenntnisses zwar durchaus keine Seltenheit, doch neigen in solchen Fällen — selbst wenn der Vater ein Syrier war, die Kinder fast stets nach der griechischen Seite; zahlreiche griechische Schulen, die von der Kolonie mit grosser Opferwilligkeit unterstützt werden, tragen zur Förderung des Griechentums bei, ebenso die Presse. In Kairo und Alexandrien erscheinen mindestens ein Dutzend griechischer Zeitungen, die zum Teil eine beträchtliche Verbreitung haben, wie der Tachydromos, die Homonoia; und manche geheime politische Gesellschaften, wie die berüchtigte *E$vx7] fjiuaT'.y.7) cEratpta, die in Aegypten mehr als 4000 Anhänger zählen soll, tun schliesslich das übrige zur Erhaltung eines lebhaften Vaterlandsgefühls- Gerade dieses stark entwickelte Nationalbewusstsein macht die Griechen den Aegyptern so verhasst. So sagt ein vielzitiertes Wort: „Gott hat der Schlange und dem Griechen das Zischen verliehen, auf dass sie den Menschen, vor sich warnen." Die Griechen können nämlich selten das arabische Sch aussprechen, das sie durch ein „zischendes" S ersetzen. Ein triftiger Grund für die Abneigung der Aegypter den Griechen gegenüber dürfte jedoch, wie bereits angedeutet, in deren unleugbaren geschäftlichen Ueberlegenheit zu suchen sein, und diese nutzt der Grieche, besonders auf dem flachen Lande, in einer Weise aus, dass dadurch oft der wirtschaftliche Untergang ganzer Familien herbeigeführt wird. Der ägyptische Fellah ist von jeher ein schlechter Haushalter gewesen, jede geregelte Abwägung seiner Einnahmen und Ausgaben ist ihm zuwider. Hat er heute seine Baumwollenernte verkauft, so wird so lange üppig gelebt, bis der letzte Piaster dahin ist. Kommen dann unvorhergesehene, aber nicht minder unvermeidliche Ausgaben, so wird geborgt, und zwar vom griechischen Wucherer. Ist unser Fellah arm, und handelt es sich daher um kleine Summen, so wird der Goldschmuck der weiblichen Familienmitglieder dem Dimitri oder Gurgi des Dorfes verpfändet, nebenbei gegen 5 °/0 Zinsen, allerdings auf den Monat, also 60 °/0 im Jahre. Am Verfalltermine ist dann natürlich kein Geld zum Einlösen des Pfandes da, Zins häuft sich auf Zins, und schliesslich summt sich die Schuld so auf, dass der Grieche seine