Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 3 (1906)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1906)
- Article
- Die Griechen in Ägypten
- Date
- 1906-12-01
- Page
- Seite 370 (sequence 4)
- Language
- German
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— 370 — scheinbare anfangliche Gutmütigkeit verliert und dem säumigen Schuldner „von Rechts wegen" sein Vieh oder sein armes Stückchen Land verkaufen lässt. Bei grösseren Grundbesitzern wird zwar meist nicht der Schmuck der Weiber verpfändet, sondern die noch zu erwartende Ernte, oder Hypotheken werden aufgenommen. VERMISCHTES: Der Torfmull und seine Bedeutung für den Verkehr mit den Tropen. Unser nordischer Torf scheint berufen zu sein, im Handel und Verkehr mit den tropischen Kolonialländern eine grosse Rolle zu spielen. Die hygienischen Vorzüge dieses durch seine grosse Bakterienreinheit ausgezeichneten Rohstoffes sichern demselben eine sehr vielseitige Verwendung. Als Spreu für Stallungen bürgert sich der Gebrauch von Torfmull in den Städten immer mehr ein. Die Japaner haben im letzten Kriege mit demselben sogar bei der Wundbehandlung Erfolge erzielt. Eine überaus wichtige Verwendungsart aber findet der Torfmull als Verpackungsmaterial für saftreiche Pflanzenteile und Früchte, um diese sowohl in feuchten als auch in trockenen Gegenden der heissen Zone während des Versandes vor Zersetzung und Schimmelbildung zu bewahren. Das dem Torfmull eigene ausgleichende Vermögen, ohne Schimmelbildung viel Feuchtigkeit aufnehmen zu können und diese nur schwer wieder von sich zu geben, verhinderte bei den in ihm verpackten Vegetabilien einerseits ein allzu schnelles Austrocknen, andererseits ein Verfaulen. Bei gutem Torfmull muss nach den mir von Prof. Dr. C. Weber in Bremen gütigst gemachten Angaben das Aufsaugungsvermögen mindestens das Zwölflache seines gewöhnlichen Trockengewichts betragen. Die Vorzüge dieser Verpackungsart sind durch viermalige Sendungen von frischen und reifen Apfelsinen, Mandarinen und Zitronen, die ich im vergangenen Winter von Palermo aus nach dem Innern des Togolandes richtete, aufs glänzendste an den Tag gelegt worden. Dr. H. Kersting, der um die Bezirke von Sokode und Bassari hochverdiente Kulturpionier, der seit vielen Jahren dort unablässig um Pflanzungsversuche aller Art und in besonders grossem Massstabe um die Einbürgerung nützlicher Bäume bemüht ist, hatte mit den genannten Fruchtarten bisher keine Erfolge aufzuweisen, weil die wiederholt aus Aegypten erhaltenen Samenkerne jedesmal in nicht mehr keimfähigem Zustande bei ihm eintrafen. In verschiedenen Gegenden des Innern der französischen Kolonien von Westafrika,, namentlich in Futa-Djalon, finden sich Orangen häufig angebaut; es erschien daher sehr wünschenswert, dass auch in unserer Kolonie mit diesen und verwandten Fruchtgattungen Kulturversuche angestellt würden. Alle Orangengewächse pflegen ihre Eigenart unverändert durch den Samen fortzupflanzen; es handelte sich daher zunächst um Beschaffung von frischen Kernen guter Sorten. Das war am ehesten durch Zuwendung frischer und reifer Früchte zu bewirken. Ich hatte bereits Ende Oktober des vergangenen Jahres von Berlin aus ein Fünfkilo-Postpaket mit frischen Aepfeln, die in Torfmull gehüllt in einer grossen Biskuit-Blechbüchse verpackt waren, nach Sokode (350 km von Lome) befördert. Das richtige Eintreffen derselben wurde mir von Dr. Kersting mit den Worten bestätigt: „Die Verpackung war eine so zweckmässige, dass die Aepfel durchaus, unverändert hier anlangten, als ob sie eben erst gepflückt wären."