Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 3 (1906)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1906)
- Article
- Die Griechen in Ägypten
- Date
- 1906-12-01
- Page
- Seite 368 (sequence 2)
- Language
- German
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— 368 — grosse armenische Handelsgesellschaften erfolgreichen Wettbewerb. Um die Vervollkommnung der sogenannten ägjrptischen Zigaretten, um die Gewinnung des europäischen Marktes für diese haben sich dagegen ausschliesslich grosse griechische Firmen bemüht, wie die in Deutschland wohlbekannte Kyriazi, Gianakli, Dimitrino und andere. Selbst englische Geschäfte, wie die von Hantower oder Isherwood, haben trotz aller Begünstigung von oben her die Griechen auf diesem ihrem eigentlichen Gebiete nicht zu schlagen vermocht. Bekanntlich hat die ägyptische Regierung auf Veranlassung Nubar- Paschas im Jahre 1889 den Tabakanbau im ganzen Lande aufs strengste verboten; sämtlicher für die Herstellung „ägyptischer4* Zigaretten verwandte Tabak ist daher türkischen, griechischen oder kleinasiatischen Ursprungs. Verlassen wir nun die oberen Zehntausend und wenden unsere Aufmerksamkeit der grossen Masse der in Aegypten angesiedelten Griechen zu, so fällt uns schon beim blossen Durchwandern der europäischen Stadtviertel von Alexandrien und Kairo die offenbare Vorliebe der Hellenen für den Betrieb von Kaffeehäusern, Restaurants u. dergl. auf. Fast an jedem dritten Hause prangt da eine hochtonende Ankündigung, in welcher ein Perikles, Sokrates oder noch häufiger der immer wiederkehrende Demetrios dem unvorsichtigen Wanderer ihr Kaphenion, ihr Estiatorion, d. i. Speisehaus, oder gar ihr unaussprechliches Inopnewmatopolion (oivo-VcUjjLaTOTrcoXsfov wörtlich: Weingeistverkaufsstelle, zu deutsch: Kneipe) empfehlen. Nicht minder zahlreich sind die Pantopolia oder Esswarenhandlungen. Es ist geradezu erstaunlich, welche ungeheuren Mengen von Nahrungs- und Genussmitteln das arme Griechenland dem so viel fruchtbareren Niltal liefert. Da findet man alle griechischen Käsearten vom teuren kretischen Rahmkäse bis zum geschmacklosen attischen Quark, grüne und schwarze Oliven, griechische Mixed-Pickles in Fässern und vor allem konservierte Fische jeder Art und Form, Sardellen, Anchovis-Bücklinge, Stockfisch, eine Art geräucherten Lachs: die feine Lakerda, roten Kaviar u. a. Ferner frische und getrocknete Früchte, und zwar die schönsten an den Verkaufsstellen für Chiakä Proiönta oder Erzeugnissen der Insel Chio. Ebendaher kommt auch die feinste Mästika, das griechische Nationalgetränk, ein sehr alkoholhaltiger, aus Mastixharz bereiteter Schnaps. Auch die Zahl der Weine ist Legion; am meisten wird der schwarzrote Cyprier eingeführt, der leider infolge der Gewohnheit, ihn in Lederschläuchen aufzubewahren, einen für Europäer unerträglichen harzigen Beigeschmack besitzt. Die Einfuhr von Kreterwein ist seltener geworden. Als bester Weisswein gilt der Rombola von Samos, während der cyprische Komandaria zu süss ist. Das eigentliche Handwerk besitzt wenig Anziehungskraft für die wackeren Hellenen. Sie sind Bäcker und Schlächter oder, die Ehrgeizigeren, Inhaber von Zacharoplastia (Zuckerbäckereien) oder gar Mineralwasserfabrikanten. Ist schon bei der überreichen Traubenernte auf den griechischen Inseln der Wein spottbillig, so finden sich doch noch brave Hellenen, die ihn künstlich herstellen, um die Konkurrenz zu schlagen. Alkohol und Wasser zu gleichen Teilen, mit Zusatz von gebranntem Zucker, ergibt ihnen verkaufsfähigen Cognak; wieder andere verlegen sich auf die „Fabrikation" von Benediktiner usw. Es gibt keine Getränke, die von ihnen nicht nachgeahmt oder verfälscht würden. Die weniger Gewerbfleissigen unterhalten Spielhöllen oder noch schlimmer, öffentliche Häuser. Als Schmuggler bilden sie den ständigen Schrecken der Küstenwache. In jüngster Zeit ist ein Handelsvertrag zustande gekommen, wo-