Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 3 (1906)
- Issue
- Heft 9 (September 1906)
- Article
- Die Entdeckung des wilden Urweizens in Palästina
- Date
- 1906-09-01
- Page
- Seite 271 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2266000-2266027-2266036-2268525--1978-2268556- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 271 — midenbau, der Gebrauch zylindrischer Siegel, vielleicht sogar die Hieroglyphenschrift, deren uralte, protohistorische Entlehnung unweigerlich auf die Euphratländer hinweisen. Auch die Mythenbildung der alten Hebräer weist in bezug auf den Zerealienbau gen Babylon und Mesopotamien. Wenn nun auch vom, südlichen Arabien her ein unbestrittener Einfluß sich auf das älteste Aegypten geltend gemacht hat, und es nicht als durchaus unmöglich betrachtet werden kann, daß die erste Vermittlung des Ackerbaues dem heiligen Lande der Götter (dem Hochlande von. Jemen) zugefallen sei, so darf doch nicht außer acht gelassen werden, daß der wahrscheinlichste und bequemste Zugang immer durch Palästina geführt haben muß. Auch Kör nicke betrachtet die Euphratländer als die eigentliche Kulturheimat unseres Weizens und wohl auch die der Gerste und des Einkorns. Die gleiche Ansicht vertritt Asdherson in seiner klassischen, in Gemeinschaft mit Graebener herausgegebenen Synopsis der mitteleuropäischen Flora, und zu demselben Ergebnis gelangte Alphonse de Candolle schon zwanzig Jahre vorher. Die Frage nach der Herkunft von Gerste und Weizen hat vielfach die alten Schriftsteller beschäftigt. Berosus, ein Baalpriester, der zur Zeit Alexander des Großen in Babylon lebte, soll in seinen verloren gegangenen Aufzeichnungen, nach den von Eusebius uns übermittelten Fragmenten, von wild wachsendem Weizen in Mesopotamien berichtet haben. 21 Jahrhunderte nach Berosus, vor jetzt hundert Jahren, will O 1 i v i e r am Euphrat wilden Weizen angetroffen haben, aber dieser Fund ist nicht beglaubigt, und wahrscheinlich hat der französische Reisende, der so genau das türkische Reich beschrieb, sich in diesem Falle derselben Täuschung hingegeben wie fünfzig Jahre nach ihm der Botaniker B a 1 a n s a, der das wilde Einkorn mit dem wilden Kulturweizen verwechselte. Auf dem Gebiete der alten Mythenüberlieferung tischt uns in bezug auf die vorliegende Frage niemand schönere Dinge auf als Diodor von Sizilien. Dieser beschäftigt sich bei seinen Mitteilungen über die urgeschichtlichen Sagen der Aegypter, immer den Erzählungen des Priesters folgend, viel mit dem Problem des Ursprungs des Getreidebaues. Er hat an einigen Stellen seines ersten Buches jener alten Priesterlegende flüchtig Erwähnung getan, derzufolge der Anbau von