Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 3 (1906)
- Issue
- Heft 9 (September 1906)
- Article
- Die Entdeckung des wilden Urweizens in Palästina
- Date
- 1906-09-01
- Page
- Seite 270 (sequence 5)
- Language
- German
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— 270 — bestehen, namentlich könne man eine gewisse i\nzahl von Formen ebenso gut zu Tr. durum als zu turgidum stellen. Die Differenzialdiagnose läßt sich nur aufrecht erhalten, wenn man die Merkmale nach Art einer Diagonale aufstellt. Vielleicht ist der jetzt so weit verbreitete und durch die auf ihn begründete Maccaroni-Industrie wirtschaftlich wichtige Hartweizen ein Ergebnis der im frühesten Altertum betätigten Selektionsbestrebungen. Das Einkorn (Tr. monococcum) dagegen ist in i\egypten, weder im alten n,och im neuen, bisher nicht nachgewiesen worden. Als Kulturpflanze trägt es einen weit primitiveren Charakter zur Schau als der Emmer — und es ist von diesem: sowohl wie vom gewöhnlichen Kulturweizen, aber auch vom Spelz artlich verschieden, indem es bei Kreuzungen mit diesem entweder ganz fehlschlägt oder nur unfruchtbare Bastarde hervorbringt. Der gering entwickelte Formenkreis des angebauten Einkorns scheint auf eine nicht sehr alte Kultur hinzuweisen, aber sein Vorhandensein im alten Troja ist erwiesen. Heute erscheint die Verbreitungszone des Kultureinkorns ausgedehnter als die von Emmer und Spelz. Sie erstreckt sich von Spanien durch das südliche Europa bis nach Dalmatien und die Herzegowina. Die wilde Stammart steht den wenigen Formen, die Gegenstand des Ackerbaues sind, so nahe, daß über die Ableitung der letzteren ein Zweifel nicht obwalten konnte. Der Verbreitungsbezirk des wilden Einkorns ist sehr groß und umfaßt die ganze Balkanhalbinsel einschließlich Serbien, dann Kleinasien., Nordsyrien und Mesopotamien. Im südlichen Syrien und in Palästina war das wilde Einkorn bisher nicht gefunden worden, es ist das Verdienst Äaronsohns', auch für diese Stammform das Vorhandensein am Hermon an zwei getrennten Oertlichkeiten nachzuweisen. Auf welchem Wege Gerste und Weizen nach Aegypten gelangt sind, ist noch nicht erwiesen, sicher ist nur, daß das alte Babylonien in dieser wie in, anderen wichtigen Fragen der kulturellen Entwicklung die Lehrmeisterin; der Protoägypter gewesen ist, und das lange vor der ersten Dynastie! Mit den Zerealien kam auch der von ihrem Anbau unzertrennliche Pflug und in seinem Gefolge das Rind, ferner eine neue Schafrasse, wenn nicht bereits; früher eine eigene im Lande vorhanden war. Vor allem aber sind es die metallurgischen Kenntnisse, die Verwendung von Kupfer und von Bronze, der Pyra-