Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 3 (1906)
- Issue
- Heft 9 (September 1906)
- Article
- Die Entdeckung des wilden Urweizens in Palästina
- Date
- 1906-09-01
- Page
- Seite 269 (sequence 4)
- Language
- German
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— 269 — Emmer und Einkorn anbelangt, chronologisch beglaubigte Funde angerufen werden, die einen in die ältesten Zeiten hinaufreichenden Anbau verbürgen. Vom Spelz, der ein nicht ganz so altes Kulturprodukt wie der Emmer zu sein scheint, hat sich bis jetzt noch nirgends eine wilde Stammart nachweisen lassen; die nahe Verwandtschaft mit dem gewöhnlichen Kulturweizen ist aber wesentlich durch Kreuzungsversuche erwiesen worden, die ebenso wie beim Emmer ein fruchtbares Korn erzielten, was beim Einkorn in seinem Verhalten zum Kulturweizen nicht der Fall war. Im alten Aegypten ist der Emmer, wie man nach der Häufigkeit und z. T. Massenhaftigkeit seines Vorhandenseins in den Gräbern und unter den Totenbeigaben zu urteilen berechtigt ist, vorzugsweise angebaut worden. Desgleichen fanden sich Emmerähren und -körner in den ältesten Pfahlbauten der Schweiz (Robenhausen und Wangen). Heute finden wir den Anbau von Emmer und den von Spelz in stetiger Abnahme begriffen und gerade unter manchen Völkern, die selbst als Relikte des grauen Altertums zu betrachten sin|d. Außer in Schwaben und der Nordschweiz, sowie in Serbien wird heute noch Emmer angebaut in den baskischen Provinzen und, wie erwähnt, bei den Bachtyaren Persiens. Der festspindelige Weizen, unser gewöhnlicher Kulturweizen, muß sich übrigens schon in sehr alter Zeit von der Urforim differenziert haben, denn wir finden ihn, immer in Begleitung des Emmers, im alten Aegypten, sogar in den ältesten Gräbern, die bekannt wurden und ebenso in gleicher Gemeinschaft mit der primitiven Form in Pfahlbauten der Schweiz (Wangen), die dem jüngsten Neolithicum angehören, hart vor dem Beginn der Bronzezeit. Im heutigen Aegypten ist die Emmerkultur verschwunden, an ihre Stelle ist die des Hart- oder Glasweizens (Tr. durum) getreten, in derselben vor den übrigen Rassen prädominierenden Weise wie ehemals der Emmer. Der Hartweizen, der im gesamten Mittelmeergebiet und vorherrschend in Nordafrika angebaut wird, ist in Aegypten durch eine große Forrrnenreihe vertreten. Ich sammelte dort deren - zwanzig verschiedene. — Gewisse Sorten lassen sich aber vom Emmer nur durch die schwächeren Grannen, die Zähigkeit der Spindel und durch die losen Körrier unterscheiden. Nach Körnick es eigenem Geständnis sollen zwischen den hauptsächlichsten Rassen des Kulturweizens (als vulgare, corripactum, turgidum und durum, unterschieden nach Aschersohn und Graebeners Synopsis) überhaupt keine Grenzen