Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 3 (1906)
- Issue
- Heft 9 (September 1906)
- Article
- Die Entdeckung des wilden Urweizens in Palästina
- Date
- 1906-09-01
- Page
- Seite 268 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/2266000-2266027-2266036-2268525--1975-2268553- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 268 — Die ältesten historisch nachweisbaren Gebiete des Weizenbaues sind die Länder am Euphrat und am Nil; der in einer dazwischen liegenden Gegend erbrachte Nachweis der Urheimat dieses vornehmsten Symbols der menschlichen Kultur muss daher für die Geschichte der letzteren von großer Bedeutung sein. Allerdings darf nicht außer acht gelassen werden, daß die weiter westlich gelegenen Gegenden Vorderasiens botanisch noch sehr unvollständig erforscht sind, und daß es nicht unwahrscheinlich erscheint, daß die Grasart, die Kotschy und Aaronsohn in Palästina und am Antilibanon entdeckten, noch eine weite Verbreitung in dieser Richtung besitzt. Zunächst aber mögen zur Orientierung des Lesers einige Bemerkungen gestattet sein, um flüchtig die verschiedenen Verwandtschaftsgrade anzudeuten, die sich aus dem gegenseitigen Verhalten der durch den Anbau entstandenen Rassen des Kulturweizens sowie aus seinem Verhältnis zu den ihm nahestehenden wilden Triticumarten ergeben. Bei den durch die Kultur zum Vorteil des Menschen veredelten Grasarten wird das durch die Jahrhunderte fortgesetzte Besrteben der Anbauer und Züchter klar, denjenigen Formen als Dauerformen den Vorzug zti geben, deren Aehren auch bei der Reife im ganzen ein festes Gefüge bewahren, im einzelnen aber die Körner leicht ausfallen lassen, mit anderen Worten, das Bestreben Aehren zu erzielen mit fester und unzerbrechlicher Spindel und mit daran sitzenden Aehrchen, deren Spelzen die Körner nicht allzufest umschließen. Bei den kultivierten Rassen von Reis und Gerste, auch beim Hafer, ist das letztgenannte Kulturziel noch nicht vollkommen erreicht, aber beim Weizen tritt das Zuchtprinzip nach beiden Richtungen hin ganz klar und offenkundig in die Erscheinung. Man kann daher diejenigen Kulturformen, bezw. Kulturunterarten, deren Spindel leicht in ihre einzelnen Glieder zerfällt und deren Aehrchen mit den an ihnen haftenden einzelnen Spindelgliedern (zusammen „Veesen" genannt) das Fruchtkorn so fest umklammert halten, daß es nicht durch1 gewöhnliches Dreschen, sondern durch ein eigenes Verfahren, („Gerben") erst nach Zerdrückung der Veesen freigelegt werden kann, als die primitiveren, als Reliktformen aus dem Altertum betrachten. In diese Kategorie fallen der Emmer (Tr. dicoccum), der Spelz, auch Dinkel genannt (Tr. Spelta) und das Einkorn (Tr. monococcum). In der Tat können, was