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Altneuland · 1906-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1906) · p. Seite 239

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Altneuland
Volume
3 (1906)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1906)
Article
Die Hedschasbahn [Nachricht]
Date
1906-07-01
Page
Seite 239 (sequence 3)
Language
German
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IRI
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— 239 — aufzuhalten, sein Ansehen gerade an den heiligen Stätten zu behaupten, dürfte der Bau der Hedschasbahn ein wirksames Mittel sein. Ganz dem ausschliesslichen religiösen Bedürfnis entsprechend wird die Bahn aus türkischem Gelde, von türkischen Arbeitern unter Leitung türkischer Ingenieure gebaut, wenn auch die zu Kunstbauten erforderlichen Eisenkonstruktionen, Maschinen und das Betriebsmaterial vom Auslande, Deutschland, Belgien und den Vereinigten Staaten, bezogen werden. So bildet der Bau der Hedschasbahn eine ganz eigenartige Erscheinung zur Verkehrserschliessung von Arabien. Seit Tausenden von Jahren verstand es seine Bevölkerung, von der schwer zugänglichen, sonnendurchglühten, wasserarmen Halbinsel die Kultur des Westens fernzuhalten, jetzt führt das Bedürfnis, die Gebote ihrer Religion zu erfüllen, zum Bau einer Eisenbahn, welche die strenge Abgeschlossenheit des Landes aufheben wird. Betrachtet man auf der Karte die Lage von Damaskus als Ausgangspunkt und Mekka als Endpunkt, so ergibt sich die Linienführung der^Bahn von selbst. Damaskus selbst kann von Beirut und Haifa her durch schon im Betriebe stehende Eisenbahnen von der Küste aus erreicht werden. Bei der Station Rayak zweigt sich eine Nebenlinie nach Hamä am Orontes von der Beiürtbahn ab nach Norden. Jetzt wird die Weiterführung der Nebenlinie von Hamä - nach] Haleb (Aleppo) begonnen. Die Entfernung von Hamä beträgt bis Haleb 150 km, die Bauzeit ist auf l1/2 Jahr bemessen. In Haleb ist man nur noch 60 km von der Station Tell-Habesch der Bagdadbahn entfernt und die Verbindung der syrischen Bahnen mit der Bagdadbahn und somit mit den anatolischen ist geplant. Verwirklichen sich diese Pläne, dann bildet Damaskus den Sammelpunkt aller Pilger, welche durch Kleinasien, von Mesopotamien oder auf dem Seewege über Beirut und Haifa dem heiligen Mekka zuströmen. Die von Damaskus östlich des Jordan nach Süden laufende Pilgerstrasse (Derb el Hadsch) gab der Bahnlinie im allgemeinen ihre Richtung überDercat — 123 km —, Mzerib, Amman (biblisch Rabbath, griechisch Ammon Philadelphia) nordöstlich des Toten Meeres, Ma'än, an der Stelle, an welcher von der grossen Pilgerstrasse ein Karawanenweg nach 'Akaba abzweigt, Kelaa schon im nördlichen Hedschas und erreicht über Medina Mekka. Die ganze Linie hat eine Länge von 1700 km und erhält eine Spurweite von 1,05 m, wie die meisten kleinasiatischen Bahnen. Die türkische Regierung plant ferner durch drei Zweiglinien nach den Syrischen und Roten Meeresküsten den von der See kommenden Pilgern die Benutzung der Hauptlinie zu erleichtern, ohne Damaskus aufzusuchen. Die erste nördliche Zweigbahn soll von einem syrischen Hafen, wahrscheinlich Haifa, nach Dercat oder Mzerib, die zweite, mittlere von Ma'än nach 'Akaba, die dritte, südliche von Mekka nach seinem Rotenmeerhafen Dschedda gehen. Die Meldung, dass eine englisch-ägyptische Vermessungsexpedition sich in der Nähe von 'Akaba gezeigt habe, um die Grenze zwischen ägyptischem und türkischem Besitz festzustellen, steht wahrscheinlich mit dem Bau der Zweigbahn Ma'än—'Akaba in Beziehung. Gegen diese Massregel soll die Pforte Einspruch erhoben haben, da Aegypten ein integrierender Teil des türkischen Reiches sei.*) Da die der Haurän-Gesellschaft gehörige Bahn schon von Haifa nach Damaskus im Betriebe ist, beabsichtigte die türkische Regierung, das Mitbenutzungsrecht auf einem Teile dieser Strecke sowie auf der Zweigbahn nach Mzerib käuflich zu erwerben. Die Forderung der Gesellschaft war aber so hoch geschraubt, dass die Regierung den Bau einer eigenen Bahn voizog. Es wurde bis Sep- *) Unsern Lesern sind der ägyptisch-türkische Grenzstreit und seine Erledigung durch Nachgeben der Türkei aus unseren früheren Mitteilungen hekannt. D. Red.

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