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Altneuland · 1906-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1906) · p. Seite 238

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Altneuland
Volume
3 (1906)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1906)
Article
Die Hedschasbahn [Nachricht]
Date
1906-07-01
Page
Seite 238 (sequence 2)
Language
German
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IRI
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— 238 — Pforte der Wunsch nahe, den unsicheren Grenzbesitz durch Eisenbahnen dem Kerne der ottomanischen Macht näher anzuschliessen. Diesem Zwecke verdankt die Bagdad- und Anatolische Bahngesellschaft die Konzession zum Bau der kleinasiatischen Linien. Auch nach Süden, nach den heiligen Städten Mekka und Medina, ist eine Bahn nicht nur geplant, sondern schon 600 km weit bis Ma'än*), östlich von 'Akaba am Roten Meere, im Betriebe und soll bis 1912 mit drei Zweigbahnen vollendet sein. Während also strategische und wirtschaftliche Zwecke die Bewilligung zum Bau der anatolischen und der Bagdadbahn begründeten, dient die Hedschasbahn ausschliesslich einem religiösen Zwecke, nämlich der Erleichterung und Sicherheit der durch den Koran vorgeschriebenen Wallfahrten nach den heiligen Stätten für jeden Gläubigen des Islam. Jahrhunderte änderten nichts an diesen Pilgerfahrten, sie führen Jahr für Jahr mehr als 200 000 Gläubige namentlich nach Mekka. Fünf Hauptpilgerstrassen sind zu unterscheiden. 1. Die östliche von Bender Buscheir am Nordostgestade des Persischen Golfes über El Hall in Zentral-Arabien, 2. die persische von Basra quer durch die steinige Wüste ebenfalls nach El Hall; beide gelten durch die physische Beschaffenheit des Landes als die beschwerlichsten, durch die räuberischen Ueberfälle der Beduinen als die gefährlichsten, 3. die südliche Strasse von Hodeida aus am Roten Meer über Sana in Jemen, sie ist bequemer und sicherer, 4. die westliche vonDschedda am Roten Meere, sie ist die besuchteste, und ihr Verkehr dürfte sich noch steigern durch die Eröffnung der Bahn von Berber am Nil nach Port Sudan bezüglich Sauakim, 5. die Nordstrasse mit dem Ausgangspunkt Damaskus über Ma'än, als eine sehr besuchte, aber auch recht gefährdete. So strömen aus allen Himmelsrichtungen die Gläubigen nach den heiligen Stätten zusammen, um den Titel eines Hadschi und die Berechtigung zum Tragen des grünen Turbans zu erlangen. Die Anstrengungen der Wüstenreise, Krankheiten und die räuberischen Ueberfälle der Beduinen fordern zahlreiche Menschenleben und grosse Opfer an Gut und Geldeswert. Man ist berechtigt, den Abzug an Toten auf 20 % und den Jahresverlust an Gütern auf 5 Millionen Franken zu veranschlagen. Bisher gelang es nicht, den Räuberstämmen ihr Handwerk zu legen. Um diesem Elend zu steuern, die Pilgerfahrten leichter und sicherer zu gestalten, fasste der Sultan den Entschluss zum Bau einer Bahn von Damaskus nach Mekka, und die zu ihrem Bau erforderlichen Geldmittel durch Sammlungen in der ganzen islamitischen Welt von den Gestaden des Stillen Ozeans bis zum Atlantischen Ozean aufzubringen. Der Zweck fand Anklang. Schon die freiwilligen Sammlungen ergaben 15—17 Millionen Franken. Da diese Summe nicht hinreichte zum Bau einer Eisenbahn, deren Kosten auf 200 Millionen Franken veranschlagt sind, so schritt man zur Ausschreibung von jährlichen Taxen und Steuern, welche jährlich o1^ Millionen Franken betragen. Nie wäre es dem Sultan gelungen, solche Opfer zu erlangen, wäre nicht, jeden anderen politischen oder wirtschaftlichen Zweck beiseite lassend, ausschliesslich das religiöse Ziel ausgesprochen, die vom Propheten geforderte Wallfahrt nach den heiligen Stätten zu erleichtern und zu sichern. Der religiöse Zweck mag auch bei dem Sultan den Ausschlag gegeben haben, denn von der religiösen Sekte der arabischen Wahabiten wird er als rechtmässiges, geistliches Oberhaupt der islamitischen Welt nicht anerkannt. Den jetzt in Jemen herrschenden Aufstand begleitet eine religiöse Bewegung, die sich von Arabien über Aegypten gerade unter den wohlhabenderen, gebildeteren Schichten der Bevölkerung verbreitet, um sich von dem geistlichen EinfLuss des Sultans freizumachen. Um diese Strömung *) Inzwischen ist die Bahn schon weiter nach Süden vorgedrungen. D. Red.

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