Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 3 (1906)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1906)
- Article
- Wasserwirtschaft und Wasserbau in Palästina
- Date
- 1906-06-01
- Page
- Seite 178 (sequence 6)
- Language
- German
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— 178 — Bodensteiri hatte einen Durchmesser von 120 cm und war direkt auf den Boden montiert. In der Mitte dieses festen Mühlsteines war ein Loch von 15 cm Durchmesser, welches als oberes Lager für die senkrechtstehende hölzerne Turbinenwelle diente. Direkt auf der Turbinenwelle war der Läuferstein gesteckt, welcher im Zentrum ein Auge von 40 cm Durchmesser mit einem Loch von 20 cm Durchmesser hatte, über welchem der Schüttelkasten in 4 Stärken hangend angebracht war. Das Heben und Senken des Läufersteines behufs Herstellung von feinerem oder gröberem Mehl geschah durch Heben und Senken des ganzen Turbinenrades mit Hilfe eines unter das untere Spurlager der Turbine eingeschlagenen Keils. Ein mir unerklärliches Loch seitwärts im Bodenstein, welches nur von dem Wasserbau der Turbine aus sichtbar war, und unter welchem ein grosser Korb hing, welcher durch einen bei der Turbine sich aufhaltenden Beduinen zeitweise entleert wurde, zog meine Aufmerksamkeit auf sich. Erst durch längere unauffällige Beobachtung kam ich hinter dieses Geheimnis. Dieses Loch vollzog nämlich selbsttätig den Diebstahl an dem Getreide der Kunden, denn während des Mahlens fiel immer ein gewisser Teil durch dieses Loch in das Turbinenlokal hinab und wurde durch den Korb aufgefangen, und solange die Kunden, lauter Beduinen, mit Argusaugen den Müllerburschen und ihr Getreide bewachten, stahl der Müller unterirdisch seinen werten Kunden das Getreide weg. Man sieht, dass in dieser Beziehung die Beduinen auf einer hohen Kulturstufe stehen. Würde man diese im vorhergehenden besprochenen Quellen, welche ca. 200 Liter/Sek. liefern, fassen, und den Kanal nach der Ebene Genezareth wieder in gebrauchsfähigen Zustand setzen, so könnte ein Gebiet von ca. 50 Hektar zum fruchtbarsten Lande gemacht werden. Würde diese Mühle nach den Regeln der heutigen Technik ausgeführt, so könnte eine Kraft von N 10 Q - h mit Q 0,2 cbm/Sek. und h 5 m N 10 ■ 0,2 5 10 PS. erreicht werden, während im gegenwärtigen Augenblick dieselbe höchstens 3 PS. liefert. Eine weitere Bewässerungsanlage könnte in dem Tale des Jarmükflusses auf der Ostseite des Sees ausgeführt werden durch Absperrung dieses tief eingeschnittenen Tales, welches sich am Fusse der Bergstadt Gadara hinzieht.