Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 3 (1906)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1906)
- Article
- Wasserwirtschaft und Wasserbau in Palästina
- Date
- 1906-06-01
- Page
- Seite 177 (sequence 5)
- Language
- German
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— 177 — in Oberbayem vergleichen, denn ringsum ist derselbe von hohen scharf aufsteigenden Bergen eingeschlossen. Im Norden haben wir die Ebene Genezareth, welche früher von den Quellen unweit Kapernaum durch einen in Felsen gemeisselten Kanal bewässert wurde. Diese Tiefebene ist von hoch aufsteigenden Bergen umrahmt und ist von zwei kleinen Flüsschen durchflössen, welche im Sommer ganz versiegen, in der Regenzeit jedoch oft so anschwellen, dass ein Teil der Ebene darunter verschwindet. Der vorerwähnte Wasserleitungskanal hatte eine Tiefe von 0,6 m bei 1,2 m Breite. Die Quellen, welche diesen Kanal speisten, sind tiefer als der Kanal gelegen, und um das Wasser in die Höhe zu bringen, war die kleinere Quelle mit einer senkrecht aufsteigenden Röhre aus Steinquadern von ca. 40 cm Durchmesser umschlossen, deren Teile heute noch vorhanden sind. Eine grössere Quelle spendet Wasser für ein Badeetablissement, und ist diese Quelle durch eine 6 m im Durchmesser haltende Mauerfassung in Achteckform gefasst. Die Mauerreste dieser Quellenfassungen erheben sich gegenwärtig immer noch 10 m über den Spiegel des Sees, und dürfte das Wasser in früheren Zeiten immerhin 15 bis 20 m hoch getrieben worden sein, um dem Nordabhang' der Ebene Genezareth in dem Kanal zuzufliessen. Von diesem Abhang aus konnte alsdann die ganze Ebene, ohne grosse Schwierigkeiten, bewässert werden. Nicht nur die Anlage einer alten Bewässerung finden wir dort, sondern auch eine alte Mühle gewährt einen prächtigen romantischen Anblick. Es tragen nämlich mehrere gemauerte Bögen einen Wasserkanal, welcher in ein senkrecht stehendes gemauertes Rohr mündet. Unten besitzt das Rohr seitwärts eine Oeflnung, so dass das Wasser mit grosser Gewalt horizontal herausspritzt. Die Gefällhöhe ist ca. 5 m. Nun sollte man doch meinen, dass zur Ausnutzung dieser Wasserkraft ein einfaches Wasserrad, wie solche ja schon in den ältesten Zeiten bekannt waren, benutzt worden wäre. Ich war jedoch aufs höchste erstaunt, als ich ein Tangentialrad, also eine partial beaufschlagte Turbine von 1,4 m Durchmesser mit 18 Stück radial stehender, 25 cm breiten geraden Holzschaufeln vorfand, welche in eine Holznabe von 50 cm Länge und 40 cm Durchmesser eingekeilt waren. Die senkrecht stehende Turbinenwelle hatte eine Stärke von 15 cm bei einer Länge von 4,5 m und war aus Hartholz hergestellt. Diese Turbine diente zum Betrieb einer Mühle. Der