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Altneuland · 1906-06-01 · Heft 6 (Juni 1906) · p. Seite 176

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Altneuland
Volume
3 (1906)
Issue
Heft 6 (Juni 1906)
Article
Wasserwirtschaft und Wasserbau in Palästina
Date
1906-06-01
Page
Seite 176 (sequence 4)
Language
German
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IRI
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— 176 - So regenlos, wie weite Strecken in den deutschen afrikanischen Kolonien sind, ist im allgemeinen Palästina nicht, denn im Frühling von Mitte März bis Mitte Mai fallen immer einige Regen. Nun ist allerdings von Ende Mai bis Oktober der Himmel beinahe wolkenlos, und der heisse Ostwind macht alles verdorren. Jetzt, d. h. anfangs Juni schon, wäre es Zeit, die künstliche Bewässerung eintreten zu lassen. Es sind zu dem Ende heutzutage viele kleine in Privathänden liegende Wasserhebemaschinen vorhanden, wie ich solche in Haifa vielfach sah, allein dieses sind Anlagen, welche nur zur Bewässerung von Gärten bis zu 3/2 ha ausreichen. Es sind dies Pumpen oder Paternosterwerke, welche durch Göpel betrieb bewegt werden. Erst gegen Ende Oktober tritt wieder Regen ein, worauf das Pflügen und Säen beginnt. Anfangs November entlauben sich die Bäume und Mitte Dezember ist es regnerisch. Januar und Februar ist nass und kalt, jedoch sinkt die Temperatur selten unter 0°. Die mittlere Jahrestemperatur z. B. in der Gegend von Jerusalem ist 17°, und die mittleren Jahresextreme sind -{-38° und — 1°. Als jährliche Regenhöhe kann 55 cm zugrunde gelegt werden, davon kommen 60 % au^ die kalte Jahreszeit, 30 % auf das Frühjahr, Mai bis September sind regenlos und auf Oktober bis Ende November 10 %• Als durchschnittliche Anzahl Regentage pro Jahr können ca. 60 Tage angenommen werden. Im Jordantal herrschen wegen der tiefen Lage mehr tropische Verhältnisse vor, und ist dort eine Temperatur von -j- 400 R. - nicht selten. Während meines Aufenthalts am See Genezareth im MonatDezember und Januar verzeichnete ich eine Mittagstemperatur von 24 0 R. mit täglichen kurzen Regenschauern. Nachts schlief ich nur mit einer leichten Decke zugedeckt unter einem luftigen Leinwandzelt und badete jeden Morgen im See, ein Beweis, dass dort der Winter nicht besonders streng ist, weswegen auch tropische Gewächse anstandslos gepflanzt werden könnten, eine richtige Bewässerung vorausgesetzt. Ich will mir im Verlauf meines Vortrages die Aufgabe stellen, speziell die Gegend am See Genezareth der Kultur zurückzugeben, denn dieser Teil Palästinas dürfte für Ansiedelungen, falls es einmal soweit kommen sollte, der schönste und fruchtbringendste Platz sein. Der See Genezareth macht, trotzdem er 200 m tiefer als das Mittelmeer liegt, den Eindruck eines Gebirgssees, und könnte ich denselben am besten mit dem Tegernsee

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