Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 3 (1906)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1906)
- Article
- Wasserwirtschaft und Wasserbau in Palästina
- Date
- 1906-06-01
- Page
- Seite 175 (sequence 3)
- Language
- German
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— 175 — See Genezareth, bereits 190 m unter dem Niveau des Mittelländischen Meeres liegend. Die Länge des Genezareth ist 25 km bei einer Breite von ca. 8 km. Von hier fliesst der Jordan höchstens 10 m breit unter unzähligen Windungen und mehr als 30 kleineren Wasserfällen dem Toten Meere zu, in welches er als ein ca. 70 m breiter Fiuss einmündet, nachdem er vom See Genezareth aus ca. 100 km in gerader Linie zurückgelegt hat. Verschiedene Seitenflüsse nimmt der Jordan in seinem Laufe auf, wovon der schon erwähnte Jarmükfluss einer der bedeutendsten ist. Vom Ursprung bis zum Meromsee fällt der Jordan ca. 500 m, von da bis zum See Genezareth 210 m und weiter bis zum Toten Meer 190 m. Zusammen also ca. 900 m. Seine totale Länge ist mit aller* Windungen und Schlingungen ca. 800 km. Im allgemeinen ist das Ostjordanland heutigentags besser bewaldet und bewässert als das Westjordanland. Namentlich sind hervorzuheben das Tal des Yabokflusses und die an der Grenze Palästinas liegende Ebene Basan. Der Unterschied im natürlichen Reichtum Palästinas von einst und jetzt ist meiner Ansicht nach wohl nicht so bedeutend, als viele glauben. Sicherlich sind viele Schilderungen von orientalischer Phantasie eingegeben, andererseits ist Palästina, wenn es auch früher eine grössere Einwohnerzahl ernährte, was die Ruinenstätten beweisen, heute noch fruchtbar und für den Anbau von Wein, Oel, Getreide usf. gut geeignet. Allerdings leidet der Getreidebau unter " der zuweilen grossen Trockenheit, und würden grössere Bewässerungsanlagen ins Leben gerufen werden, z. B. speziell im Jordantal und seinen Nebenflüssen, so dürfte der Bodenertrag denjenigen zu Christi Zeit vorhandenen wohl weit übertreffen. Es fehlen eben die menschlichen Kräfte und vor. allem eine redliche geordnete Verwaltung, um dem Lande zur Blüte zu verhelfen. Grossen Waldreichtum hatte das Westjordanland wohl niemals, und es dürften deshalb die das Westjordanland durchfliessenden Bäche, wie der Leontes, Kischon, Dschalud usw. früher keinen grösseren Wasserreichtum gehabt haben als heute. In der Regenzeit sind es tosende Giessbäche, und im April und Mai liegen sie fast ganz trocken und sind zur direkten Bewässerung der Ländereien wegen ihres tiefeingeschnittenen Flusslaufs schwer zu gebrauchen. Anders freilich wäre es, wenn man durch künstliche Stauung, durch Anlage von Reservoiren die Bewässerungsfrage lösen würde.