Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 3 (1906)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1906)
- Article
- Palästinafahrt eines Landwirts
- Date
- 1906-06-01
- Page
- Seite 172 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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— 172 — dass ich u. a. auch Mikweh-Israel sehen konnte. Im übrigen habe ich gern jede sich darbietende Gelegenheit benutzt, mich über die jüdischen Ansiedlungen weiter zu unterrichten, und wenn es mir gestattet ist, nach dem Bilde, das ich mir gemacht habe, über jene ein Urteil zu geben, so kann dieses etwa folgendermassen lauten: Im allgemeinen sind die jüdischen Kolonien in verhältnismässig guter Entwickelung begriffen und gewähren für das ganze Unternehmen einen befriedigenden Ausblick auf die Zukunft. Aber das, was mit den bereitgestellten Mitteln möglich gewesen wäre, ist bisher nicht erreicht worden. In voll befriedigendem Stande befindet sich nur ein Teil der Kolonien und die übrigen lassen in ihrem Gedeihen heute noch mehr oder minder zu wünschen übrig. Es liegt dies, soweit ich unterrichtet bin, an verschiedenen Ursachen, u. a. daran, dass seitens der Leitung ab und zu Fehler gemacht worden sind, und dass manche Niederlassungen ein zu wenig geeignetes Menschenmaterial bekommen "haben, das nur mit Mühe zu beständiger und planmässiger Arbeit, zur Selbständigkeit und zur Festigkeit im Kampfe mit Schwierigkeiten und Widerwärtigkeiten erzogen werden kann. Aber die verflossenen Jahrzehnte der Arbeit haben den führenden Männern einen grossen Schatz gebracht, eine reiche Erfahrung, und wenn man diese richtig auszunutzen versteht, so zweifle ich nicht daran, dass es mit den jüdischen Kolonien immer besser vorwärts gehen wird. Aber vielleicht tut man gut, sich zunächst noch mehr auf den Ausbau des Bestehenden als auf die Schaffung von Neuem zu verlegen. Die Hauptvorteile, welche die Deutschen bei Gründung und Durchführung ihrer Kolonien zu gemessen hatten, waren das wohlwollende Entgegenkommen der türkischen Regierung, eine freie, selbständige Stellung, der Schutz eines mächtigen Reiches und ein vorzügliches, arbeitgewohntes, charakterstarkes Material von Ansiedlern. Dass andererseits auch Schwierigkeiten zu überwinden waren, habe ich schon angeführt. Einige derselben waren: die Ungewohntheit des südlichen Klimas für die Ansiedler, welcher Uebelstand, wenigstens in Sarona, noch durch die Malariaplage verschärft wurde; sodann die völlige Unvertrautheit mit der Sprache und Sitte der Eingeborenen, wie mit der Eigenart des Landes; weiter die Beschränktheit der Mittel. Auf jüdischer Seite ist die Gestaltung der Vorteile wie der Nachteile eine etwas andere. Es muss hier also mit anderen Verhältnissen gerechnet