Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 3 (1906)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1906)
- Article
- Palästinafahrt eines Landwirts
- Date
- 1906-05-01
- Page
- Seite 149 (sequence 10)
- Language
- German
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— 149 — auch bei vielen anderen Früchten, die das Land in Massen hervorzubringen vermag, am Platze sein möchte. Die Verwertung aller landwirtschaftlichen Erzeugnisse Palästinas wird ja, vorausgesetzt, dass die Ware sich schon in den Hafenplätzen befindet, ungemein gefördert durch die günstige kommerzielle Lage des Landes, unmittelbar am grossen Verkehrswege des Mittelmeeres mit allen seinen bedeutenden Abnahmeplätzen. Um diese Lage recht ausnutzen zu können, muss freilich noch manches geschehen: die Hafenanlagen, wie namentlich auch die Verbindungswege zwischen ihnen und dem Innern bezw. zwischen den Eisenbahnstationen und den Produktionsorten müssen erheblich verbessert werden, was bei* den obwaltenden Umständen allerdings leichter gesagt als getan ist. So sehr nun die natürlichen Verhältnisse Palästinas dem Weinbau förderlich sind, so darf man doch nicht übersehen, dass dieser dort, wie in fast allen übrigen hervorragenden Weinländern der Erde, auch seine Plagen hat. In extremen Jahren wird bisw eilen die übergrosse Dürre nachteilig, vereinzelt wohl auch die Nässe; zuweilen fährt auch ein Sirokko schädigend über die Weinberge dahin. Aber alle diese Uebelstände, wie überhaupt die Witterungsabnormitäten an sich, wirken in der Regel nicht - so sehr schlimm. Bedenklicher treten mitunter andere Feinde des Weinbaues auf, wie z. B. die Phylloxera, die Peronospora und das O'idium, die freilich zum Teil wieder mit der Witterungsgestaltung in einem gewissen Zusammenhange stehen mögen. Indessen, wenn die Natur Feinde bringt, so gibt sie für gewöhnlich auch Mittel zu ihrer Bekämpfung an die Hand, und das ist auch hier der Fall. Ausserordentlich interessant war es mir, zu hören •— und es auch in dieser Zeitschrift bestätigt zu finden —, dass neben den einheimischen die amerikanischen Reben gegen verschiedene Krankheiten und Schäden am meisten widerstandsfähig sind, während die französischen ihnen am leichtesten erliegen. Jede Nummer von „Altneuland" erinnert uns an die Riesentraube die einst die Kundschafter aus dem Tal Eskol in das jüdische Lager brachten. Mag nun das Titelbild in der Darstellung jener berühmten Frucht auch ein wenig „dick auftragen", so viel ist doch sicher, däss auch heute noch in Palästina Trauben von ungewöhnlicher Grösse und von prachtvollster Entwickelung der einzelnen Beeren geerntet werden, Trauben, die auch der hungrigste Mensch in einer Mahlzeit nicht ganz würde verspeisen können. Nach den Berichten, die ich im Lande selbst zu ver-