Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 3 (1906)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1906)
- Article
- Palästinafahrt eines Landwirts
- Date
- 1906-05-01
- Page
- Seite 150 (sequence 11)
- Language
- German
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— 150 — nehmen Gelegenheit hatte, sollen Früchte von 2 — 3 kg Gewicht in einzelnen, besonders begünstigten Gegenden nicht allzu selten sein; ja, man sprach, wohl nicht immer ganz ohne Uebertreibung, von Trauben von noch weit grösserer Schwere. Mancher Leser wird ja besser wissen als ich, ob Früchte von 5—6 kg in das Gebiet der Fabel gehören oder nicht. Ausserordentlich gross ist in vielen Rebengegenden Palästinas der eigene Konsum frischer Trauben. Wie man mir mitteilte, lebt dort das Volk mehrere Monate hindurch zu einem guten Teile von den herrlichen Früchten des Weinstocks. Viele Familien ziehen zur Sommerszeit ganz in ihre Weinberge, teils um diese zu bewachen, teils aber auch, um angenehm im Freien, unter Zelten oder in Laubhütten, zu wohnen und um stets „an der Quelle" zu sein. Der Mohammedaner darf bekanntlich den Wein nicht trinken, wenigstens keinen alkoholhaltigen, dafür hält er sich aber schadlos an den frischen Früchten. Ueberhaupt ist der Konsum von Früchten aller Art im Morgenlande ein ganz gewaltiger. Neben den Trauben kommen hier besonders Melonen, Orangen, Feigen, Maulbeerleigen, Granatäpfel usw. in Betracht. In dieser Art der Ernährung wird zu einem erheblichen Teile der Grund zu suchen sein, weshalb der Orientale sich trotz mancher wenig günstiger Umstände eine so gute Gesundheit und einen so kräftigen Körper zu erhalten vermag. Schliesslich noch die Bemerkung, dass ich mich gefreut habe, verschiedentlich in „Altneuland" bei Betrachtungen über den Frucht- und Weinbau Hinweise auf Kalifornien zu finden. Ich kann es nur unterschreiben, wenn man die führenden Männer anregt, das Vorgehen der Amerikaner in ihrem schönen Gold-, Obst- und Weinlande aufmerksam zu studieren. Ich selbst habe mich zwecks landwirtschaftlicher Studien zwei Jahre in Amerika aufgehalten*), davon ein Jahr in Kalifornien,. und ich war bei meinem Besuche Palästinas überrascht, in seinen landwirtschaftlichen Verhältnissen so viele Anklänge an diejenigen Kaliforniens wahrzunehmen. Es kann keinem Zweifel unterliegen, dass der palästinische Landwirt von seinen Berufsgenossen in Kalifornien in vielen Punkten etwas profitieren kann. (Schlnss folgt.) *) Ein Bericht über das Beobachtete ist niedergelegt in dem Buche „Die Landwirtschaft in den Vereinigten Staaten", Berlin, 1893, P. Parey.