Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 3 (1906)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1906)
- Article
- Palästinafahrt eines Landwirts
- Date
- 1906-05-01
- Page
- Seite 146 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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- 145 — Boden und für das dortige Klima wie dieser. Die Olivenkultur bringt auch heute schon recht ansehnliche Geldsummen ins Land, aber sie könnte unter gewissen Voraussetzungen geradezu zu einer Quelle des Wohlstandes für dieses werden. Auch hier liegt wieder der Hauptgrund, weshalb die Landleute sich diesem Kulturzweige nicht mit mehr Eifer und Sorgfalt zuwenden, in den geschilderten allgemeinen Verhältnissen. Und nirgend wirken diese hemmenderals gerade beim Olivenbau, denn der Oelbaum entwickelt sich sehr langsam, und es dauert viele Jahre, ehe er zur vollen Ertragsfähigkeit, kommt, was Wunder, dass da der Fellache keine Lust zum Pflanzen hat! So sieht man denn auch nur selten junge Anpflanzungen. Die meisten vorhandenen Haine stehen schon in recht hohem Alter, und es mögen mehrere dabei sein, die viele hundert Jahre durchlebt haben. Dennoch finden sie sich zumeist noch in voller Produktionskraft. Prachtvolle alte Haine habe ich u. a. bei Haifa, Nazareth und Bethlehem gesehen. Auch bei Jerusalem, so im Kidrontale und auf dem Oelberge, fand ich einzelne prächtige Bäume von ungemein hohem Alter und ungewöhnlicher Stärke. Der schönste und stattlichste Baum, den ich im Kidrontale bemerkte, hatte über der Wurzelkrone einen Durchmesser von zirka 4 m, in Manneshöhe mass er noch nahezu 2 m. In zweiter Linie nenne ich die Orangenkultur, die ebenfalls in manchen Landesteilen gut am Platze ist. Sie passt namentlich für die frostfreien Striche mit sandvermischten, dabei tiefgründigen und fruchtbaren Böden in der Nähe der Meeresküste. In starkem Umfange wird sie z. B. bei Jaffa betrieben und erweist sich hier ausserordentlich lohnend. Sie bedarf aber der künstlichen Bewässerung. Ich denke noch immer mit Entzücken an den herrlichen Anblick, den zur Zeit meiner Anwesenheit in Jaffa die dortigen Pflanzungen gewährten. So weit das Auge reichte, Orangengarten an Orangen garten, die meisten Plantagen umschlossen von gewaltigen, oft nahezu 4 m hohen Kaktushecken. In vielen Gärten glänzten aus dem üppigen Grün noch die wundervollen goldenen Früchte hervor, während die schönen, kraftstrotzenden Bäume sich schon wieder zu neuer Blüte rüsteten. Und über das dunkelgrüne Laubmeer erhoben sich da und dort schlanke Dattelpalmen, das Ganze ein Bild von fast paradiesischer Pracht. Es würde zu weit führen, wollte ich auch über die Kultur der übrigen Fruchtbäume, die in Palästina heimisch sind und zu-