Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 3 (1906)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1906)
- Article
- Palästinafahrt eines Landwirts
- Date
- 1906-05-01
- Page
- Seite 144 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2266000-2266027-2266033-2268242--1751-2268284- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 144. — muss mit dabei sein. Der Bauer wird, wenn er seinen Vorstellungen nicht irgendwie besonderen Nachdruck zu geben vermag, oft hingehalten von einer Woche zur andern, ja, von einem Monat zum andern, und bisweilen liegt das Getreide noch an seinem Ort, natürlich unter freien Himmel, wenn schon die Herbstregen zu fallen beginnen. Dass das Erntequantum in dieser langen Zeit sich nicht vermehrt, insonderheit, wenn die Mäuse mit ins Spiel kommen, was recht häufig der Fall ist, liegt auf der Hand. Vornehmlich ist dann noch auf die unglücklichen Besitzbezw. LandverteilungsVerhältnisse zu verweisen. Bezüglich eines grossen Teils des Ackerlandes wechselt der Bewirtschafter in ganz kurzen Perioden, weil die Dorfschaft die ihr zugewiesenen Ländereien alle paar Jahre anders verteilt. So hat niemand ein Interesse daran, seinen Acker dauernd zu verbessern. Manche Bauern sind auch so in den Händen der Wucherer,, dass sie nicht wissen, wie lange sie noch Herr über ihren Boden sind. . Diese Betrachtung könnte noch viel weiter ausgeführt werden: das wenige Gesagtemöge aber genügen, um zu erklären, weshalb die palästinischen Fellachen nicht wie unsere deutschen Bauern mit Lust und Liebe, planmässig und mit Voraussicht ihren Acker bestellen, und weshalb sie im Durchschnitt so geringe Erträge erzielen. "~ Es möge mir noch gestattet sein, mit wenigen Worten den Stand der Felder zu schildern, wie ich ihn auf meiner Reise in einigen der Hauptackerbaugegenden vorfand. Als ich am 8. Februar nach der deutschen Kolonie Sarona kam, begannen dort Weizen und Gerste, die durchweg ein vortreffliches Aussehen hatten, in die Aehren zu schiessen. Die Pferdebohnen, die ziemlich ausgedehnte Flächen einnahmen, standen fast überall sehr üppig; sie waren etwa 1—iy2 m hoch und befanden sich nahezu in voller Blüte. Vom ägyptischen Klee wurde auf einigen Feldern der zweite Schnitt genommen. Seine Länge betrug zirka 40—60 cm. Auf den Ländereien der Kolonie Haifa war eine Woche vor Ende Februar der Stand der Früchte ein ähnlicher, wie in Sarona um die zweite Woche des Monats. In der Ebene Jesreel waren um den 25. Februar Weizen und Gerste etwa 20—30 cm hoch. Nur vereinzelt war die Entwickelung weiter vorgeschritten, stellenweise aber auch noch weiter zurück. Einigen Aeckern sah man an, dass sie an Versumpfung litten, das Getreide stand kümmerlich und hatte