Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 3 (1906)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1906)
- Article
- Palästinafahrt eines Landwirts
- Date
- 1906-05-01
- Page
- Seite 143 (sequence 4)
- Language
- German
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— 143 — mittels einer steinernen, aussen mit groben Riefen versehenen Walze ausgeführt, die Aehnlichkeit mit dem ostfriesischen und oldenburgischen Dreschblock hat. Man zieht bei gewissen Getreidearten dieses Instrument der Dreschmaschine deshalb vor, weil es das Stroh für Futterzwecke geeigneter macht. Gereinigt wird das ausgekrochene Korn bei den Feilachen noch mit der alten Wurfschaatel. Bei den Hauptgetreidearten, Weizen und Gerste, sind die Ernteerträge auf den besseren Bödennicht selten recht hohe, wie ich das vorhin schon darlegte. Vereinzelt mag die Ernte 70—80 Ztr. und mehr per ha betragen/ Der Durchschnitt liegt aber ausserordentlich viel tiefer und ist weit geringer als in Deutschland. Es ist schwer für ihn, eine Zahl zu greifen, indessen mag 10—20 Ztr. der Wirklichkeit von ungefähr nahe kommen. Aus dem Material, welches mir zur Verfügung steht, teile ich als Beispiel mit, dass Konsul Kell er-Haifa die Ernte des Jahres 1902 für Haifa und fünfzig umliegende Dörfer auf 21 347 Tonnen angibt, erzeugt auf 29 646 ha. Der mittlere Ernteertrag ist nicht des Bodens wegen ein so niedriger,- wie nochmals betont sei. Vielmehr kommen folgende Punkte in Betracht: mangelhafte und unzeitige Art der Bestellung, Unterlassung des Düngens, ungenügende Entwässerung, schlechtes Saatkorn, Schädigungen durch Dürre, Sirokkos, Mäusefrass, Heuschrecken etc. Im Grunde liegt aber des Uebels Kern in den ganzen Verhältnissen, in der traurigen wirtschaftlichen Lage der grossen Masse der Bauern. Und mit Recht sagt deshalb auch Konsul Keller in dem Berichte, dem ich die vorgenannten Zahlen entnahm, dem Sinne nach: „Die Ernte ist zwar im Vergleich zum Vorjahre eine leidlich gute, aber im Verhältnis zu der natürlichen Fruchtbarkeit des Landes ist sie immer noch eine viel zu geringe. Andererseits muss man sich wundern, dass der eingeborene Bauer bei seiner gedrückten Lage überhaupt noch fähig ist, den Acker derart zu bestellen, dass er so viel hervorzubringen vermag." Manche Fellachen befinden sich unter einem derartigen Druck, dass ihre ganze Berufstätigkeit erheblich darunter leidet. Sie können nicht frei und unbehindert diejenigen Arbeiten in Angriff nehmen, welche in einem gegebenen Zeitpunkt erforderlich sind. Als ein besonders schlagendes Beispiel möge hier das Dreschen dienen: Der Bauer hat sein Getreide an der Dreschtenne gelagert, vielleicht seit dem Monat Mai. Nun darf er aber nicht eher dreschen, als es dem Zehntpächter gefällt, denn dieser