Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 3 (1906)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1906)
- Article
- Palästinafahrt eines Landwirts
- Date
- 1906-05-01
- Page
- Seite 142 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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— 142 — nichts anderem als einem langen Stabe mit eiserner Spitze. Je nachdem er diesen Stab hält, gehen die Gespanntiere schnell oder langsam, links oder rechts, und geschickte Pflüger, die ein paar geschulte Ochse"n vor sich haben, vermögen selbst über ein ausgedehntes Feld schnurgerade Furchen zu ziehen, wie ich das häufig genug beobachtet habe. Und ein solch geschickter Führer vermag auch seinen Acker, wenn dieser nicht zu steinig oder zu sehr verunkrautet ist, mit seinem arabischen Pfluge so sauber für die Saat vorzubereiten und diese so geschickt einzubringen, dass das Feld von manchem nach europäischer Art bearbeiteten Acker nicht allzusehr absticht. Am wenigsten leistet naturgemäss dieser Pflug, wenn es sich um den Umbruch von berastem Acker und um die Vertilgung von besonders starken und tiefwurzelnden Unkräutern handelt. Das Ernten geschieht bei den Fellachen ebenfalls noch in uralter Weise. Manche Früchte werden mit der Wurzel ausgezogen, das meiste Getreide wird aber geschnitten, und zwar mit einer kleinen Handsichel, deren Form nach den verschiedenen Landesteilen etwas variiert. Nur ganz vereinzelt kann man auf den Feldern der Eingeborenen eine Mähmaschine arbeiten sehen. Es sind dann europäische Unternehmer, z. B. aus der deutschen Kolonie Haifa, die es übernommen haben, das Korn zu schneiden. Vom Felde wird nun das Getreide nach den Dreschplätzen transportiert, zumeist auf dem Rücken der Kamele oder anderer Lasttiere. Das Beladen der Tiere, unter Zuhilfenahme eines Hakennetzes, versteht man sehr geschickt zu machen; auf ein starkes Kamel packt man fast „ein halbes kleines Fuder". Der Regel nach gehören die Dreschtennen ganzen Dörfern oder doch einer Gruppe von Bauern gemeinsam, und jeder Berechtigte hat an der Tenne seinen bestimmten Lagerplatz. Das Dreschen geschieht entweder durch Austretenlassen, indem man Ochsen, Esel oder andere Tiere über das Korn führt, oder mittels des Dreschbretts oder Dreschschlittens. Diese Methode ist besonders in Galiläa gebräuchlich. Man fährt mit dem mit Zugtieren bespannten Apparat so lange über das Getreide, bis nicht nur das Korn rein ausgedroschen, sondern auch das Stroh zu einer Art Häcksel zerrissen ist. In diesem Zustande ist das Stroh, das in Palästina gewöhnlich eine sehr harte Beschaffenheit besitzt, besser als Futter geeignet, und diesem Zwecke hat fast alles geerntete Stroh zu dienen, da Heu ein sehr rarer Artikel ist. In den europäischen Kolonien wird das Dreschen vorzugsweise