Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 3 (1906)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1906)
- Article
- Palästinafahrt eines Landwirts
- Date
- 1906-05-01
- Page
- Seite 141 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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— 141 — einheimische oder arabische Pflug, der den Boden nicht umwendet, sondern ihn nur auflockert, ihn durchwühlt. Mit ihm bringt man in der Regel auch die Saat unter. Dieses Instrument, eine Art hölzerner Haken mit einem aufgeschobenen und abnehmbaren kleinen eisernen Schar, jedoch in einigen Gegenden auch ohne dieses gebräuchlich, ist, wie ich schon betonte, nicht mehr zeitgemäss, es entspricht nicht den heutigen Anforderungen. Aber die Gerechtigkeit muss man ihm widerfahren lassen: geschickt und im rechten Augenblick benutzt, gestattet es immerhin noch eine leidlich gute Bearbeitung und lässt gute, ja sogar grosse Ernten zu. Man hat schon, wie mir berichtet wurde, Ernten von 50 bis 60 Zentnern und mehr erzielt, bei alleiniger Anwendung dieses Pfluges. Auf keinen Fall ist dieses Gerät, wenn man alle Verhältnisse berücksichtigen will: Boden, Klima,wirtschaftliche Verhältnisse, Menschen, so völlig zu verwerfen, wie es häufig geschieht. Ich muss es mir versagen, hierauf an dieser Stelle näher einzugehen, und will nur noch der Ansicht Raum geben, dass ein moderner europäischer Pflug in der Hand eines damit nicht geübten und erfahrenen Eingeborenen auf einem Boden, wie beispielsweise dem der Ebene Jesreel, bei den dortigen Entwässerungs- und Klimaverhältnissen grossen Schaden anrichten könnte. Kommt es doch noch bei uns in Deutschland vor, dass durch einen Fehler bezüglich der Zeit oder der Tiefe des Pflügens ein Acker mit schwerem Boden „totgepflügt", d. h. auf Jahre hinaus in seiner Ertragsfähigkeit geschädigt wird, und wendet man sich deshalb neuerdings auch bei uns wieder mehr dem Prinzip der Wühlpflüge zu*), eine Tatsache, die einem angesichts des alten arabischen Pfluges doppelt interessant erscheint. Ausserordentlich merkwürdig ist die überaus, ich möchte sagen „verblüffend" einfache Weise der Anspannung der Zugtiere an den Pflug. In der Regel pflügt man mit zwei Ochsen. Seltener benutzt man Pferde, Esel, Maultiere oder Büffel, noch seltener das Kamel. Bilden Ochsen die Bespannung, so besteht hr ganzes Geschirr aus dem hölzernen Doppeljoch, welches man ihnen auf den Nacken legt, und welches seinerseits nichts weiter ist als ein einfacher Riegel, an dessen Mitte der schlanke, elastische Pflugbaum befestigt wird. Es finden sich weder Zugstränge an dieser primitiven Beschirrung noch eine Leine zum Lenken der Tiere. Dieses bewerkstelligt der Pflugführer mit *) Vergl. u. a. Bippart „Wird durch die Brache dem Acker Stickstoff aas der Luft zugeführt?" Deutsche Landw. Presse, jSTo. 88, 1905.