Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 3 (1906)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1906)
- Article
- Nochmals Jugendpflege
- Date
- 1906-05-01
- Page
- Seite 138 (sequence 10)
- Language
- German
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— 138 — unter der Enge der Zeloten und dem Schulbann der aschkenaischen Rabbiner zu leiden hat. Bedauerlich ist auch, dass die Mittel trotz reicher Subvention (von den Rothschilds 900 Lst., von der Anglo -Jewish Association 775 Lstr.) in Anbetracht der grossen grundlegenden Aufgaben für die weibliche Jugend, damit auch für die Wiedergeburt des ganzen Geschlechts, so beschränkt sind. Wie viel mehr könnte, sollte und würde fraglos getan werden für die Gewöhnung an Zucht und Sitte, Ordnung und Reinlichkeit, Diensteifer und Gehorsam, für die Erziehung durch Arbeit und Erholung, Unterricht und Vorbild, für den Aufbau von Glauben und Charakter, Persönlichkeit und Selbstachtung, wenn — ja wenn die Gelder, die für Talmud-Thora, Jeschibha und Chalukah bestimmt sind, in breiterem Bette flössen und weiteren Herzens gespendet würden!*) C. In der Knabenschule der Alliance Israelite, die 1882 gegründet wurde, unterrichtet der Direktor mit fünf hebräischen, drei arabischen, zwei türkischen Lehrern. Der erstere hat das Lehrerseminar der Alliance in Paris (Ecole normale Orientale) absolviert, die übrigen sind nicht diplomiert. Die Schülerzahl beläuft sich auf 320—350, von denen ca. 50 zahlen, die übrigen gehören zumeist den allerärmsten Klassen an. 95% sind Sephardim, denen die französische Unterrichtssprache näher liegt als die deutsche. Von aschkenasischen Kindern werden die palästinischen Alliance-Schulen im allgemeinen sehr wenig besucht. Ein Grund dafür liegt wohl mit darin, dass der religiöse Geist und Unterrichtsbetrieb selbst den bildungshungrigen Aschkenazim nicht behagen. Gewiss steht auch in diesen Schulen der hebräische Religionsunterricht auf dem Lehrplan, er wird darum neben den anderen Disziplinen auch erteilt, aber nicht von einem im religiösen und im Weltwissen durchgebildeten Lehrer — die in Paris gebildeten Alliance-Lehrer legen auf einen religiösen Unterricht keinerlei Wert —, sondern von dem sephardischen Schulhalter einer Talmud-Thora, einem Chacham, der infolge seines niedrigen Bildungsgrades in einem solch freigeistigen Milieu oft genug eine etwas lächerliche Figur abgibt. Es muss aber ausdrücklich bemerkt werden, dass diese Verhältnisse in der Jerusalemer Elementarschule etwas günstiger *) Den Namen „Evelina de Rothschild School" erhielt die Schule i. J. 1867, ein Jahr nach dem Tode der Evelina. deren Vater (der Londoner Rothschild) aber bereits 1864 eine ansehnliche Summe für die Anstalt gezeichnet hatte.