Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 3 (1906)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1906)
- Article
- Nochmals Jugendpflege
- Date
- 1906-05-01
- Page
- Seite 137 (sequence 9)
- Language
- German
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— 137 — hier also — und das ist bemerkenswert — an Ort und Stelle eine den orientalischen Verhältnissen angemessene Lehrerinnenausbildung erworben werden, und von einem weiteren Ausbildungskurs in Europa wird nach dem Gutachten des Kommissars Abstand genommen. Von den deutschen Lehrkräften haben zwei die Prüfung für Kindergärtnerinnen, eine die für mittlere und höhere Mädchenschulen abgelegt; eine frühere Lehrerin ist gegenwärtig unter Anrechnung ihrer Jerusalemer Dienstjahre auf die Pensionsberechtigung in Mannheim staatlich angestellt. Im allgemeinen geht die Vorsteherin von der Anschauung aus, die auch wir bereits früher ähnlich äusserten, dass eine wohlbestandene deutsche überhaupt europäische Prüfung nicht ohne weiteres zur erfolgreichen Unterrichtserteilung bei einer orientalischen Schule befähigt, so wenig neben dem guten Willen, der lauteren Menschenliebe und einem gesunden Menschenverstand die Bedeutung einer soliden Wissensgrundlage und einer methodischen Schulung verkannt wird. Im Kindergarten (ca. 200 Kinder) wurde erst durch die jetzige Vorsteherin (1899) das Hebräische eingeführt, es regiert in der untersten der fünf Kindergartenklassen ausschliesslich, in den anderen zur Hälfte. Zwei der Klassen bieten übrigens Parallelkurse, die aus Raumgründen eingerichtet werden mussten; eine „preparator}- class" bildet den Uebergang zur Mädchenschule. Seit dem Vorjahre (1905) ist auch eine „difficulty class4*' (Hilfsklasse) geschaffen, welche solche Mädchen im Alter von 8—15 Jahren aufnimmt, die vorher noch keinerlei Schulbildung genossen haben. Die überraschenden Erfolge, welche gerade diese Klasse aufweist, sprechen für den Lerneifer der Mädchen und die segensreiche Wirkung der Einrichtung, die zugleich für die Elementarklassen eine Entlastung bedeutet und in ihnen einen ungestörten Fortgang des Unterrichts gewährleistet. Die Kinder der" Hilfsklasse haben ebenfalls 30 Unterrichtsstunden, darunter aber nur eine Handarbeitsstunde; die 29 englischen bezw. hebräischen Stunden befassen sich grösstenteils mit Anschauungsunterricht oder Transkriptionsübungen. Die Fortschritte waren bereits im ersten Jahre derart, dass die Hälfte dieser Mädchen jetzt zu Ostern in die V. oder IV. Klasse übergeht. Bedauerlich ist, dass auch diese Schule, obwohl bis dahin, abgesehen von dem Samenkorn des Hilfsvereine, die einzige Mädchenschule in einer jüdischen Bevölkerung von 35—40 000 Seelen, und obwohl streng religiös in dem Geist der Erziehung,