Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 3 (1906)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1906)
- Article
- Nochmals Jugendpflege
- Date
- 1906-05-01
- Page
- Seite 136 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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— 136 — einem Atelier angenommen werden, das dann den weiteren Absatz und das geschäftliche Risiko übernimmt. Dieser „millinery-workroom" (Putzstube) bewährt sich für die Mädchenschule als eine sehr nützliche Einrichtung; an den Bazar in Weisswäsche und Goldstickereiarbeiten, der jährlich zum Besten der Schulunterhaltung stattfindet, hat sich im Sommer und Herbst ein hat-sale (Hutverkauf) angeschlossen, der jedesmal durchschnittlich 600—700 Frcs. bringt. Aber um einen wirksamen Beitrag zur Lösung der Frauenfrage zu liefern, müsste die Sache in grösserem Massstabe angefasst werden; dazu fehlen bisher Raum und Mittel. Von den 640 Mädchen des verflossenen Schuljahres waren nur 35 Kinder zahlfähiger Eltern, 225 dagegen Waisen oder Halbwaisen, die im ganzen 25 417 Freimahlzeiten erhielten. Auch die Aibeitsmädchen werden von der Schulküche gespeist und erhalten ausserdem für ihre Dienstleistungen und Handarbeiten eine Vergütung von 5—20 Frcs. pro Monat, da ein Mehreres die finanzielle Lage nicht gestattet. Sie setzen sich bisher meist aus den Waisen zusammen, da andere Kinder in der Regel zu solchen Dienstleistungen nicht die Erlaubnis ihrer Eltern erhalten. Der notwendigen Verlegung oder Vergrösserung der Anstalt, die wohl für 300—400, aber nicht für 640 Kinder geeignete Räume bietet, sowie der Entlastung der Lehrkräfte durch Vervollständigung des Lehrpersonals konnte aus Mangel an Mitteln bisher nicht nähergetreten werden; dagegen wurde im Herbst 1904 ein Schularzt bestellt, der durchschnittlich 80 Kinder in der Woche behandelte, meist auf Malaria oder Augenkrankheiten. Auch das ist ein Schritt vorwärts auf dem Wege der physischen Regeneration des Geschlechts. Eine interessante Erscheinung ist es, dass an dieser eng. lischen Schule nach mancherlei Erfahrungen deutsche Lehrerinnen bevorzugt werden; unter den acht nichtorientalischen Lehrkräften sind, abgesehen von der Vorsteherin, sechs Deutsche und eine Amerikanerin. Die übrigen zehn, darunter zwei männliche, sind Eingeborene und zum Teil in der Anstalt ausgebildet. Denn obwohl nicht offiziell ein „Seminar" an der Anstalt geführt wird, werden doch nach Massgabe der englischen Staatskurse und anerkannter hebräischer Lehrpläne Lehrerinnen durch die Leiterin ausgebildet — bisher im ganzen acht —, deren Leistungen in der Prüfung durch den Regierungskommissar als gleichwertig mit den staatlichen befunden worden sind. Es kann