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Altneuland · 1906-05-01 · Heft 5 (Mai 1906) · p. Seite 135

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Altneuland
Volume
3 (1906)
Issue
Heft 5 (Mai 1906)
Article
Nochmals Jugendpflege
Date
1906-05-01
Page
Seite 135 (sequence 7)
Language
German
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— 135 — künftige Israelsmutter muss einen möglichst tiefen Einblick in den Geist der Halacha haben, in die Reinheits- und Opferlehre,, in das Staatsrecht und die Ackergesetzgebung." Deshalb haben die Schülerinnen der drei oberen Klassen einen Auszug aus dem Schulchan Aruch in Händen, die „Chuke Chajim" (Gesetze des Lebens). Im Handarbeitsunterricht wurde die Stickerei abgeschafft und durch Unterweisung im Weissnähen und Zuschneiden ersetzt. Unterricht in der Stickerei wird nur denjenigen Mädcien erteilt,, die nach Absolvierung der Schule mit dem 16. Jahr in die Haushaltungsabteilung übergehen. Hier sind gegenwärtig 18 „workinggirls", die Haushalt, Wäsche und Küche versehen — ausser dem schwarzen Hadsch und dem Fellachen existieren keine Dienst ' boten —, daneben aber Handarbeit in Spitzen und Gold- und Silberstickerei anfertigen. Da die Nachfrage grösser ist als die Leistungsfähigkeit, wird jetzt nach Ostern ein zweites Arbeitszimmer eingerichtet. Durch diese „Fortbildungsschule" — sit venia verbo — bahnt sich nach und nach ein Umschwung in der öffentlichen Anschauung an. Noch immer gilt heute in grossen Kreisen der Orientalen im allgemeinen und der Juden im besonderen jede untergeordnete Arbeit, jede dienende Stellung als ehrenrührig und Schande. Hier aber finden die Mädchen allmählich dank dem Vorbild der Lehrerinnen Gefallen an der „so gemeinen" Arbeit, wiewohl die wünschenswerte Rückwirkung aut die Mütter bei den eingewurzelten Vorurteilen nach dem Urteil der Nächstbeteiligten nicht mehr erhofft werden kann; die Hoffnung ruht ausschliesslich auf dem heranwachsenden Geschlecht. Hier liegt denn auch die eigentliche Hauptsorge und das schwerste Problem für die Schulleitung: Was wird aus den herangewachsenen Mädchen? Weibliche Fertigkeiten haben sie sich mancherlei angeeignet, aber die Gelegenheit zu ihrer Verwertung ist beschränkt. Hauswirtschaftliche Dienststellungen sind in Jerusalem rar, dazu nicht beliebt. Die Schneiderei bietet bei den geringen Ansprüchen der Bevölkerung nur wenigen einen Unterhalt; die Spitzenklöppelei als Hausindustrie wird wenig geschätzt und so schlecht bezahlt, dass eine geübte Klöpplerin in zwölfstündiger Tagesarbeit kaum 70 Pf. verdient. Um daraus einen Erwerbszweig zu schaffen, bedarf es des Absatzes im Auslande, und zwar eines organisierten Exportes. Die Arbeiten müssten, ähnlich wie es die Rothschild-Schule mit den Putzartikeln hält, zu angemessenem Preise von einer Schule oder

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