Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 3 (1906)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1906)
- Article
- Nochmals Jugendpflege
- Date
- 1906-05-01
- Page
- Seite 133 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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— 133 — B. Auf der Evelnia von Rothschild-Schule ruht bis dahin so gut wie ausschliesslich die Hoffnung einer Reorganisation der jüdischen Frauenwelt Jerusalems, da nicht einmal Talmud-Thora-Anstalten irgendwelcher Art für Mädchen existieren, die mit einem Schein des Rechtes Unterricht und Erziehung derselben in Anspruch nehmen könnten. Diese Reorganisation ist eine eminent wichtige, in der Idee erhebende, durch die praktischen Schwierigkeiten zu Boden drückende Aufgabe. Sie ruht mit ihrer Verantwortung auf den Schultern der Schulleitung, da das Komitee der Anglo-Jewish-Association dieser in der Aufstellung des Lehrplanes und der inneren Organisation der Schule völlig freie Hand lässt. Darum die Frage: Wie steht die Leitung zu ihrer Aufgabe, und was hat sie bisher geschaffen? Zunächst: Als streng gesetzestreue Jüdin lebt die Vorsteherin der festen Ueberzeugung, dass jede Erziehung der palästinischen jüdischen Kinder auf einer anderen Grundlage als auf der echter Gesetzestreue eine verfehlte sein wird, die wohl färb- und haltlose, innerlich bankrotte Menschen zu erzeugen vermag, aber keine kraftvollen jüdischen Persönlichkeiten. Demzufolge trägt die Schulerziehung einen ausgesprochen sittlichreligiösen Charakter, durch den übrigens die Aufgaben der weltlichen Bildung keineswegs beeinträchtigt werden; und der Erziehungsberuf wird in einer Tiefe, mit einem Gefühl der Tragweite und Verantwortlichkeit erfasst, das man allen Bildungsschulen unseres zivilisierten Kontinentes als lebendiges Ferment wünschen möchte. Die Persönlichkeitspädagogik regiert im Verein mit der Hilfskraft der Liebe und Anhänglichkeit der Schulmädchen nach dem Motto: „Tue, was du mich tun siehst", nicht nach dem bequemeren: „Tue, was du mich sagen hörst". Bei dieser Auffassung von Beruf und Erziehung lässt sich ermessen, was für Aufgaben der Vorsteherin aus ihr selbst erwuchsen, als sie im Mai 1899 die Schule mit dem Auftrag übernahm, sie in eine englische zu reorganisieren. Die voraufgegangenen Leiterinnen, zwei Orientalinnen, waren ohne jegliche Vorbildung in vierjährigem Aufenthalt auf dem Pariser Lehrerinnenseminar zu Leiterinnen und, wie es scheint, auch Französinnen gestempelt; übrigens war das die einzige Verbindung dieser Schule, die je mit Paris bestand. Denn die Administration lag immer in London, d. h. die dortigen Rothschilds schickten die jährliche Subvention an die Leiterin, die damit nach ihrem Ermessen verfuhr. Aber die europäische Unterrichtssprache war