Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 3 (1906)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1906)
- Article
- Nochmals Jugendpflege
- Date
- 1906-05-01
- Page
- Seite 131 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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— 131 — Der Realienunterricht hat schon jüngst eine bemerkenswerte Erweiterung erfahren. In den beiden Unterklassen durch den Anschauungsunterricht vorbereitet, wird er in der IV. Klasse als Heimatkunde (2 Std.) erteilt, in der III. in weltgeschichtlichen Erzählungen, Geographie der asiatischen Türkei und Zoologie bezw. Botanik (3 Std.) fortgeführt. Die IL und I. Klasse widmen den Realien je 6 Stunden, 3 für Geschichte und Geographie, 3 für die Naturwissenschaften (Zoologie, Botanik, Physik); die I. Klasse fügt ausserdem einen einstündigen Unterricht in der Anatomie und Hygiene hinzu. Der Zeichenunterricht wird durch die Kunstgewerbeschule des „Bezalel* eine wichtige Erweiterung in der früher angedeuteten Richtung erfahren. Die neue Anstalt erfreut sich seitens des „HilfsVereins" reger Sympathie und Unterstützung, wie sie denn auch in Jerusalem als eine rein deutsche Gründung dasteht. Der Zusammenhang mit der Lämelschule deutet sich schon darin an, dass der Direktor derselben dem lokalen Verwaltungsrat angehört, und die in der Stadt gemieteten Räume auf seinen Namen eingetragen sind. Die Schulklasse für Mädchen wurde im Anschluss an die Kindergärten Ende Oktober 1905 mit 40 Schülerinnen eröffnet'; nach Ostern ist die Anfügung einer zweiten Klasse geplant und bereits die Anstellung einer für das höhere Mädchenschulwesen geprüften deutsch-jüdischen Lehrerin in Aussicht genommen. Der Unterricht wird im Deutschen und Hebräischen erteilt. In weiterer Ferne liegen dann die Errichtung eines Lehrerinnen- und Kindergärtnerinnenseminars, die im Anschluss an die Mädchenschule den Schlussstein zu einem planvoll angelegten und folgerichtig durchgeführten Bau bedeuten würden. Das führt auf weitere Zukunftspläne des Hilfsvereins. An das Lehrerseminar in Jerusalem soll künftig einmal durch Anschluss kommerzieller Kurse eine Art Handelsschule angegliedert werden. In Jaffa, wo dank der günstigeren ökonomischen Lage der Einfluss der Chalukah gering, das Streben nach Selbsthilfe und moderner Bildung allgemein ist, erfolgt höchstwahrscheinlich mit Beginn des neuen Schuljahrs (1906/07) die Gründung einer deutsch-jüdischen Knabenschule, um die von der dortigen Bevölkerung bereits wiederholt petitioniert wurde.*) Dieselbe soll, zunächst in zwei Klassen, die Arbeit des Kindergartens fortsetzen, der dort seit 1903 vom Hilfsverein unterhalten wird und bereits in *) Die Schule des „Hilfsvereins-4 in Jafia ist inzwischen zur Tatsache geworden. D. Red.