Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 3 (1906)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1906)
- Article
- Nochmals Jugendpflege
- Date
- 1906-05-01
- Page
- Seite 130 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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— 130 — Auch in der Erlernung der deutschen Sprache machen die sephardischen Lehramtsanwärter, obwohl ihnen dieselbe von Natur ferner liegt als das Französische oder Englische, befriedigende Fortschritte. Die Schule sieht in dieser Unterrichtspflege des Deutschen neben dem von Erfolg begleiteten Streben, die hebräische Sprache zur Volkssprache der Juden Palästinas zu machen, eine ihrer Hauptaufgaben und arbeitet an der Geltendmachung der deutschen Sprache als der regierenden europäischen im Orient. Die Gründe dafür sind, wie früher ausgeführt, wirtschaftlicher und ideeller Art: hinzu kommt noch der Gesichtspunkt, dass die jüdische Literatur des letzten Jahrhunderts wesentlich in der deutschen Sprache vorliegt. — Die Lehrproben werden in deutscher und hebräischer Sprache gehalten, und bereits die Seminaristen der zweiten Ellasse werden im allgemeinen mit befriedigendem Erfolge herangezogen. Uebrigens sind die Verhandlungen hinsichtlich einer einheitlichen hebräischen Aussprache, wie mir Herr Prof. Dr. Dalmann mitteilt, nicht von ihm angeregt, sondern nur unter seinem Beirat gepflegt worden. Das Hauptverdienst an der Sache kommt nach ihm einem der Lehrer an der Lämelschule und dem Seminar, Herrn Yellin, zu, dessen Name in der hebräischen pädagogischen Literatur einen Klang hat. Dem Jargon kann in der Lämelschule um so sicherer ein Verschwinden prophezeit werden, als der Unterricht nicht nur darauf ausgeht, methodisch in den Geist der deutschen Sprache einzuführen —- entgegen einer häufig geübten rein formalen Sprachdressur, sondern als der Schülerbestand sich auch in Zukunft vorwiegend aus den beiden Kindergärten zusammensetzen wird, in denen ausschliesslich Hebräisch getrieben wird. Der Unterricht im Arabischen umfasst vornehmlich die Schriftsprache, nicht das Vulgärarabisch, was sich im Seminar wohl damit begründen lässt, dass die Schüler auch die arabisch-jüdische Literatur studieren sollen. Allein hier, und noch mehr in der sechsklassigen Lämelschule möchte man doch dem Volksdialekt eine weit umfassendere Pflege wünschen als sie gegenwärtig bei der Erklärung der arabischen Lektüre statthaben kann. Der türkische Unterricht hat für das jüdische Palästina schon im Hinblick auf die Nähe Aegyptens und letzthin Marokkos eine viel geringere Bedeutung als der im Arabischen, er kommt gegenwärtig um so weniger in Betracht, als die Aussicht auf Beamtenstellen seitens der türkischen Regierung, wie man sagt, für Juden und Christen immer geringer wird.