Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 3 (1906)
- Issue
- Heft 4 (April 1906)
- Article
- Der türkisch-ägyptische Grenzstreit [Nachricht]
- Date
- 1906-04-01
- Page
- Seite 118 (sequence 3)
- Language
- German
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— 118 - •von Akaba ist das ägyptische Fort Nakhl, siebzig Meiien von Akaba, an der malten, längst verödeten Pilgerstrasse, ein isolierter Posten ohne Wasser, ohne Weide.*) Nun wird den Türken die Absicht zugeschrieben, in Akaba anstatt der offenen Reede einen ganz modernen, befestigten Hafen zu errichten — ein Plan, •der schon vor mehr als zwanzig Jahren erwogen und jetzt wieder aufgegriffen -worden ist, weü ihm heute angesichts der im Bau begriffenen Hedschaz-Bahn eine -erhöhte Bedeutung innewohnt. Die Hedsehaz-Eisenbahn, die bekanntlich Syrien mit den heiligen Städten Mekka und Medina verbinden wird, ist bereits über Ma'an hinaus fertiggestellt, und die Route wird von dort aus süd-südöstlich weitergeführt. Wenn sie ungefähr auf gleicher Höhe mit Akaba fertig sein wird» •so wird eine Zweigbahn westlich nach Akaba gebaut werden, die für die Türken ^hervorragende Bedeutung gewinnen dürfte. Denn während für die türkischen Militärtransporte und Verbindungen mit dem westlichen Arabien jetzt nur die angwierige und kostspielige Route via SuezkanaL offen steht, die einen grossen und nicht immer unbedenklichen Umweg darstellt, würde die Zweigbahn zwischen Akaba und der Hedschaz-Linie einen weit kürzeren und sichereren Weg bieten, der •ausserdem den Vorteil hätte, dass die türkischen Transporte keinen englischägyptischen Schikanen und Intrigen ausgesetzt wären. Um nun ihre zu erhöhter Bedeutung gelangte Position in Akaba zu stärken, haben die Türken nach und 3iach nicht nur ihre Garnison in Akaba selbst vermehrt, sondern auch in einige Orte in der weiteren Umgebung, darunter Taba, Truppen gelegt. Dies bot den Engländern, denen die Errichtung einer starken türkischen Militärstation nicht allzuweit von Suez als ein gefährlicher Vorstoss in der Richtung ihres ägyptischen Interessengebietes erscheinen mochte, den erwünschten technischen Anlass, den "Türken ein energisches Halt zuzurufen. Nachdem sie zunächst den erfolglosen "Versuch gemacht hatten, Akaba selbst als ägyptisches Gebiet in Anspruch zu nehmen, erklärten sie, Taba gehöre zum Verwaltungsgebiete des Khedive. Nach ►einigem Hin und Her versprachen die Türken, ihre Truppen aus Taba zurückzuziehen. Das war sehr vernünftig, denn zur Durchführung ihrer Pläne — des Hafenbaues in Akaba und der Zweigbahn östlich zur Hedschaz-Linie — bedurften •die Türken der Handvoll Soldaten in Taba sicherlich nicht. Und dann: der -englisch-ägyptische Anspruch hatte keine unanfechtbare rechtliche Basis. Sir Edward Grey sagte noch am 27. März d. J. im englischen Unterhause, Taba liege auf der Halbinsel Sinai, die schon seit mehreren Generationen als unter ägyptischer Verwaltung stehend anerkannt sei. Das trifft in dieser Fassung nicht zu. Der Verwaltungsbereich des Khedive ist anlässlich seines Amtsantritts 1892 durch einen türkischen Firman abgegrenzt worden, wobei als östliche Grenze rganz allgemein „das Gebiet von El-Arisch bis Akaba** festgesetzt wurde. Eine scharfe Grenzlinie, welche die einzelnen Grenzorte umfasst, ist in dieser für die heutige Beurteilung der Streitfrage massgebenden Urkunde nicht gezogen; und .geographisch gehört das ganze Küstengebiet des Golfes von Akaba unbestreitbar zu Arabien, nicht zu Aegypten. Es ist daher durchaus unzutreffend, wenn Sir Edward von einer „seit mehreren Generationen anerkannten** ägyptischen Verwaltung des Gebietes von Taba spricht. Seine Behauptung steht auch im leicht -erkennbaren Widerspruch zu der Tatsache, dass England (nominell Aegypten) *) Dies stimmt insofern nicht, als um Nakhl grössere Flächen Land dank der Aufstauung •von Regenwasser durch primitive Dämme mit Gerste und Weizen angebaut werden. Wasser •erhält der Posten aus einem Brunnen. D. Red.