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Altneuland · 1906-04-01 · Heft 4 (April 1906) · p. Seite 117

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Altneuland
Volume
3 (1906)
Issue
Heft 4 (April 1906)
Article
Der türkisch-ägyptische Grenzstreit [Nachricht]
Date
1906-04-01
Page
Seite 117 (sequence 2)
Language
German
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IRI
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— 117 — linie auf der sinaitischen Halbinsel zurückzuziehen, ablehnte. Die Grenzlinie zwischen der türkischen Provinz Syrien und dem unter der britischen Oberhoheit stehenden Land der Pharaonen ist im Jahre 1892 festgelegt worden, als der Sultan durch einen Firman den Khe iive von Aegypten als solchen anerkannte. Esfand damals zwischen Lord Cromer und Tigrane Pascha ein Briefwechsel statt,, der die Grenzlinie zwischen dem türkischen Reich und Aegypten festsetzte. Als Vertreter Grossbritanniens bestritt aber damals Lord Cromer dem Sultan das Recht zur Abänderung der ägyptischen Grenze ohne die Zustimmung Grossbritanniens¬ und weigerte sich, die Ansprüche der Pforte in jenem Grenzgebiet anzuerkennen. Nur der Hafenort Akaba am Nordende des gleichnamigen Meerbusens wurde noch als türkischer Besitz anerkannt, alles Gebiet, das westlich einer vom Nordende des Meerbusens von Akaba bis nach El-Arisch am Mittelmeer gezogenen Linie liegt, sollte jedoch unter ägyptische, d. h. britische Botmässigkeit fallen. Zu Aegypten gehört daher nach der britischen Auffassung auch die Hafenstadt Taba weil sie mehrere Meilen westlich von Akaba liegt. Nun ist aber Taba von türkischen Truppen besetzt worden. Die Grenzverletzung durch türkische Truppen wurde schon im Januar entdeckt, als Rumbley Bey im Auftrag der ägyptischen Regierung die Sinaihalbinsel bereiste und zu seiner grossen Ueberraschung eine türkische Besatzung von damals 100 Soldaten in Taba vorfand. Rumbley Bey erstattete seiner Regierung Bericht, und Lord Cromer übertrug daraufhin die Ordnung der Angelegenheit der britischen Regierung. Um die Mitte Februar hatte sich die Lage bedeutend versclilimmert. Die Zahl der türkischen Truppen hatte sich vergrössert und die Türken befestigten mehrere Posten westlich von Taba und bedrohten sogar ein ägyptisches Kanonenboot im Golf von Akaba. Eni britischer Offizier wurde darauf von Kairo nach der Grenze abgeschickt und ausserdem hat die britische Admiralität noch den Kreuzer „Diana" zur Stelle beordert. Die türkischen Behörden versprachen zwar dem Kapitän der „Diana" dass sie die türkischen Truppen zurückziehen würden, doch ist das nicht geschehen, und die türkischen Kommissare, die nach Kairo abgeschickt wurden, um die Angelegenheit mit Lord Cromer zu besprechen, sind, ohne sich in Kairo aufgehalten zu haben, nach Akaba gereist, wo die „Diana" noch vor Anker liegt. Die in türkischen Dingen gut unterrichteten „Hamburger Nachrichten" vom 7. April unterziehen die Frage in einem „Noch immer Akaba" betitelten Artikel einer scharfen Kritik und liefern gleichzeitig eine politische Beleuchtung der Affäre. Die Zeitung lässt sich von ihrem Kons tan tinopeler Korrespondenten berichten: Das dreiste Draufgängertum der englischen Politik und die gröbliche- Ungeschicklichkeit türkischer Staatsmänner haben sich vereinigt, um eine Meinungsverschiedenheit von ursprünglich geringer Bedeutung in eine internationale Frage von erheblicher Tragweite zu verwandeln. Die Türken haben nach dem Hafenort Akaba, an der äussersten Spitze des gleichnamigen schmalen Golfes, der den nordöstlichen Ausläufer des Roten Meeres bildet (der nordwestliche ist der Golf von Suez), vor einigen Monaten eine kleine Garnison geschickt, an hundert Mann, die das dortige Kastell bezogen. Akaba und seine Umgebung sind gottverlassenes Wüstenland, wo kein Baum, kein Strauch dem Auge begegnet; nur in der unmittelbaren Umgebung des Kastells, welches die offene Reede von. Akaba beherrscht, stehen zuweilen verstreute arabische Nomadenzelte. Nördlich von Akaba dehnt sich zwischen dem Golf und dem Toten Meere die Wuste- Wadi-el-Arabah, westlich die Wüste et-Tih aus; der nächste bewohnte Ort westlich.

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