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Altneuland · 1906-04-01 · Heft 4 (April 1906) · p. Seite 115

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Journal
Altneuland
Volume
3 (1906)
Issue
Heft 4 (April 1906)
Article
Syrien als Wirtschafts- und Kolonisationsgebiet
Date
1906-04-01
Page
Seite 115 (sequence 7)
Language
German
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— 115 - nun in der Nachbarschaft mächtige Reiche, wie Aegypten, Assyrien, Babylon, so konnte das zersplitterte Syrien ihnen ebensowenig widerstehen wie den späteren Weltreichen der Perser, Römer, Araber, Türken. Die Folge der modernen Technik im Wege- und Eisenbahnbau wird natürlich für Syrien in einer engeren Verkettung der einzelnen Teile bestehen, ob sie aber ausreichen wird, um die verschiedenen Stammes- und Religionsgenossenschaften zu einer syrischen Nation zu verschmelzen, ist die Frage; wir meinen, dass sich mit der Zeit drei grössere Gebiete aus Syrien herauskristallisieren werden, nämlich eine nördliche, vorwiegend mohammedanische Zone, mit den Hauptplätzen Aleppo und Hama, eine mittlere, vorwiegend christliche, maronitische resp. katholische Zone mit Beirut als Mittelpunkt, und eine südliche, vorwiegend jüdische Zone mit Haifa und Jerusalem als Mittelpunkt; vielleicht im Hinterland, an diese beiden letzten Zonen sich angliedernd, noch eine mohammedanische, um Damaskus herum, und eine drusische, um das Haurängebirge herum, eventuell noch an der Küste Nordsyriens ein mehr griechisch-orthodoxes Gebiet. Es wird diesen auch bestenfalls doch nur zu Kleinstaaten sich emporschwingenden Gebieten" von in günstigem Falle nur je ca. 5—8 Millionen Einwohnern niemals, möglich sein, eigene politische Selbständigkeit zu erringen. Zu einer Zusammenfassung zu einem später etwa 20 bis 30 Millionen Seelen umfassenden syrischen Reich resp. Bundesstaat könnte es nur durch Druck von aussen oder durch ausserordentliche Entwicklung eines dieser Gebiete gewissermassen als Vormacht — etwa in der Art wie Preussen in Deutschland — gelangen. Viel wahrscheinlicher aber wird es sein, dass Syrien auch in der Zukunft keine politische Selbständigkeit erlangen wird, sondern eine Provinz der jeweiligen vorderasiatischen Vormacht bleiben wird, sei es nun, dass die Oberherrschaft von einer reformierten Türkei ausgeübt werden wird, sei es, dass Aegypten an ihre Stelle tritt, sei es, dass, sich von Arabien her ein neues Kalifat entwickelt, sei es, dass sich in Mesopotamien nach Wiederherstellung der Kanäle mit der Zeit eine neue Grossmacht entwickelt. Die Besitznahme Syriens durch eine europäische Macht resp. die Aufteilung des Landes unter verschiedene derselben ist natürlich durchaus nicht ausgeschlossen, wird aber wohl

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