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Altneuland · 1906-04-01 · Heft 4 (April 1906) · p. Seite 114

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Altneuland
Volume
3 (1906)
Issue
Heft 4 (April 1906)
Article
Syrien als Wirtschafts- und Kolonisationsgebiet
Date
1906-04-01
Page
Seite 114 (sequence 6)
Language
German
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— 114 — Reformbestrebungen einen vielleicht nur passiven, aber doch: sehr nachhaltigen und wirkungsvollen Widerstand entgegensetzen; auch würde sich die mohammedanische Geistlichkeit aus Furcht, ihre Macht einzubüssen, den Reformen widersetzen.. Nur die grösste Not, etwa infolge eines unglücklichen Krieges oder einer erfolgreichen Revolution, oder aber der nachhaltige und energische Druck der Mächte könnte die nötigen Reformen herbeiführen. Es wäre eine schöne Aufgäbe des Konzerns der Grossmächte, wenn sie im eigenen sowohl als im türkischen Interesse auf einem Haager Friedenskongress durch zwangsweise Einführung von Reformen, wie sie es jetzt für Makedonien begonnen haben, so für die gesamte Türkei die Bahn für eine intensive Kulturentwicklung frei machen, und so das stets den Weltfrieden bedrohende Gespenst der orientalischen Frage dauernd verscheuchen würden. Solange sich aber die Mächte noch nicht zu solchen starken Massregeln vereinigen können, wird es auch schon einzelnen Mächten resp. den grossen Finanzgruppen möglich sein, Gutes zu schaffen, wenn sie bei Gelegenheit neuer Anleihen der unter europäischer Kontrolle stehenden Verwaltung der Dette publique immer neue Machtbefugnisse hinzufügen und so allmählich die gesamte Türkei unter europäische Finanz- und damit auch Verwaltungs-Kontrolle stellen würden. Freilich wird der auf solche Art geschaffene Zustand stets nur ein Uebergangsstadium bilden können, welches in sich grosse politische Gefahren birgt, und früher oder später doch entweder zu völliger Reformierung oder zum Zerfall der Türkei führen muss. Was die weitere politische Zukunft Syriens betrifft, so lassen sich aus der Geschichte und Geographie einige Lehren ziehen. Trotz seiner grossartigen Begrenzung durch Gebirge, Wüste und Meer vermochte sich Syrien nur selten und für kurze Zeiten selbständig zu halten, und auch dann meist nicht als einzelner Staat, sondern als ein Komplex verschiedener miteinander meist in Fehde liegender Kleinstaaten. Die Ursache ist in den oben dargestellten geographischen Verhältnissen des Landes zu suchen, welche der Bildung einer mächtigen Zentralmacht in Syrien sehr ungünstig sind, dagegen, die Eigenbestrebungen kleiner Kantone begünstigen. Die Geschichte des Volkes Israel, der Phönizier, Philister, der Duodezfürsten zur Zeit der Römer, der Kreuzfahxerreiche, der Drusen, Maroniten, Nosairier usw. beweist dieses zur Genüge. Gab es

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