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Altneuland · 1906-04-01 · Heft 4 (April 1906) · p. Seite 113

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Journal
Altneuland
Volume
3 (1906)
Issue
Heft 4 (April 1906)
Article
Syrien als Wirtschafts- und Kolonisationsgebiet
Date
1906-04-01
Page
Seite 113 (sequence 5)
Language
German
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— 113 — reicher hierfür als die Entwicklung des Libanongebietes seit den oben erwähnten, der Türkei aufoktroyierten Reformen des Jahres 1860. Das straffere Regiment unter einem von der Zentralverwaltung in Konstantinopel fast unabhängigen und unabsetzbar en, dagegen durch einen von der Bevölkerung gewählten Verwaltungsrat kontrollierten Gouverneur führte schon in wenigen Jahren in diesem kleinen Ländchen einen höchst bemerkenswerten Aufschwung herbei. Pünktliche Bezahlung der Beamten, reguläre Justiz, Schaffung und Instandhaltung eines .guten Strassennetzes (über 1000 km gegen 467 km im ganzen übrigen Syrien), Unterdrückung der Polizeiwillkür, Einführung einer geordneten Steuererhebung mit auf Jahre hin festgelegten Steuern, das sind die Zauberformeln, welche diesen Umschwung herbeigeführt haben, und die genügen würden, selbst unter sonstiger Beibehaltung der türkischen Herrschaft, auch für das übrige Syrien ein leidliches Wohlergehen zu schaffen. Würde dazu noch eine billigere und besser kontrollierte Zentralverwaltung hinzukommen, sowie Aufhebung der inneren und Erhöhung der äusseren Zölle mit Ausschluss der für die Industrien nötigen Rohprodukte, so dass sie zu Schutzzöllen für die Industrie würden, ferner Ersatz der Naturalabgaben durch Einkommensteuern, Einführung einiger Staatsmonopole behufs Ermässigung der Steuern, Aufhebung der Steuervorrechte der Fremden sowie des Sultans und seiner Domänen, Reform der Bodengesetze, namentlich der Bestimmungen bezüglich der Uebertragung, der hypothekarischen Beleihung und der Bauerlaubnis, Verbesserung des Katasters, Vergrösserung und Reformierung der bestehenden Agrarbank, Inangriffnahme grosser öffentlicher Arbeiten behufs Verkehrserleichterungen, Be- und Entwässerungs-, sowie Sanierungsarbeiten, so würde Syrien bald wieder einen hohen Grad der Kultur erlangen Icönnen, namentlich wenn gleichzeitig auch die geistige Hebung durch moderne Schulen, technische Anstalten, Institute für Kunst und Wissenschaft nicht vernachlässigt werden würde. Es ist leider kaum anzunehmen, dass die Türkei ohne äusseren Druck die Energie finden wird, diese Reformen in Angriff zu nehmen. Selbst wenn der Sultan von den besten Absichten erfüllt sein mag, so würde die grosse Menge faulenzender und Intrigen spinnender Hofschranzen, die ihn umgibt und die sich jetzt auf Kosten des unglücklichen Volkes mästen, den

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