Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 3 (1906)
- Issue
- Heft 4 (April 1906)
- Article
- Palästinafahrt eines Landwirts
- Date
- 1906-04-01
- Page
- Seite 107 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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— . 107 — anderes heraus, als ihr Name besagt. Sie sind selten mehr als <äin hier stärker, dort geringer entwickeltes Gestrüpp. Dass die Wälder, soweit sie überhaupt noch vorhanden sind, mit einigen Ausnahmen im Ostjordanlande ein so unbefriedigendes Aussehen haben, liegt weit weniger an den natürlichen Wachstumsverhältnissen als an den störenden Einflüssen durch Menschenhand. Auch der Zustand der Wälder predigt laut von den traurigen Verhältnissen, die in wirtschaftlicher, kultureller und rechtlicher Hinsicht im Lande herrschen. Dass Boden und Klima dem Baum wuchs nicht ungünstig sind, dafür kann man überall Beispiele finden. Wo ein Baum, sei es ein Laubholzbaum, sei" es eine Konifere, am passenden Platze richtig gepflanzt wird, und wo man ihm gestattet, ungestört sich zu entwickeln, da zeigt er meistens das freudigste Gedeihen. Dies gilt sogar für viele Gebirgsgegenden. So habe ich am Karmel, auf den Grundstücken der deutschen Kolonisten, beobachten können, dass Pinien, Aleppokiefern sowie auch verschiedene Laubhölzer sich in vorzüglichem Wachstum befanden, mitunter auch dort, wo nur ein paar Zoll Erde den Fels bedeckten. Ein wundervolles Bild bot mir fast überall, wohin ich im gelobten Lande kam, die Blumen-, Gräser- und Kräuterflora. Bald nahm mich dieses Bild mehr durch seine Frische und Lieblichkeit, bald mehr durch seine Ueppigkeit und Farbenpracht, bald mehr durch seine bunte Mannigfaltigkeit gefangen. Am herrlichsten trat mir die Blumenpracht in der Ebene Saron, am Karmel, an den Hügelabhängen bei Nazareth, am Kam Hattin (östlicher Ausgang der Ebene Sebulon) und an einigen Stellen des Ufers des Sees Genezareth entgegen. Insbesondere waren es die Cyklamenarten und die Scharlachanemone, welche die Fluren schmückten und dazu beitrugen, sie vielfach zu einem grossen, "wundervollen Naturteppich zu machen. Leider musste man sich sagen: das Bild ist ein vergängliches! Der Frühling kleidet das Land wie mit einem prächtigen Festge wände, schon der Sommer nimmt es ihm wieder und hängt ihm dafür ein hässliches, eintönig braunes Kleid über, das auch im Herbste noch bleibt. Mit anderen Worten: die trockenen Sommermonate bringen all das frische Grün zum Verdorren und -all die Farbenschönheit zum Verschwinden, bis Ende Oktober oder Anfang November die ersten Regenschauer kommen und bald darauf, etwa vom Dezember an. die vertriebene Herrlichkeit allmählich zurückkehrt, um in den wärmeren Strichen etwa