Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 3 (1906)
- Issue
- Heft 4 (April 1906)
- Article
- Palästinafahrt eines Landwirts
- Date
- 1906-04-01
- Page
- Seite 105 (sequence 9)
- Language
- German
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— 105 — kann, wenigstens in den westlichen Ebenen, fast das ganze Jahr hindurch Früchte tragen, und das aufgewendete Kapital bringt hohe Zinsen. Ich sah in den bewässerten Gärten in und bei Sarona sowie auch anderswo bei Bäumen, Sträuchern, Blattpflanzen, Blumen, Gemüsearten und, nicht zu vergessen, bei den Unkräutern eine Wüchsigkeit, die mitunter ans Fabelhafte grenzte. Ich muss nun noch eine recht üble Seite der klimatischen Verhältnisse Palästinas hervorheben; ich meine die heissen Glutwinde, die aus den Wüstendistrikten von Zeit zu Zeit über diesen oder jenen Teil des Landes hereinzubrechen pflegen, namentlich in den Monaten März bis Mai, und die oft verhängnisvolle Wirkungen ausüben. Es sind die vielgenannten Sirokkos. Fährt ein solcher Wüstenwind mit seinem versengenden Atem über ein in der Blüte stehendes Getreidefeld oder über einen Hain blühender Obstbäume, so ist leicht für das betreffende Jahr die ganze Ernteaussicht vernichtet. Zum Glück sind die ganz „schweren" Sirokkos keine allzu häufigen Gäste, und gewissen Strichen pflegen sie so gut wie ganz fern zu bleiben. Bisweilen kann man Berichte hören, nach denen Palästina ein der Gesundheit unzuträgliches Land sei, und dass hieran in erster Linie das Klima schuld sei. Dies, entspricht nicht ganz der Wahrheit. Wie ich schon eingangs betonte, zeichnet sich die palästinische Bevölkerung durch eine stattliche Erscheinung aus. Beim Landvolke macht die Mehrzahl durchaus den Eindruck der Kraft und Gesundheit, und wenn dies der Fall ist, trotz des Fehlens aller besonderen Fürsorge und trotz der überaus einfachen, oft fast elenden Lebensweise, die das Volk führt, so kann unmöglich das Klima ein aussergewöhnlich ungesundes sein. Im Gegenteil, es ist an sich, von einigen Landesteilen abgesehen, als ein sehr zuträgliches aufzufassen. Und wenn dann und wann Menschen- und Tierseuchen auftreten (Cholera, Rinderpest usw.), wenn da und dort die Malaria heimisch ist, so hat das sehr wenig mit dem Klima zu tun, sondern beruht auf ganz anderen Ursachen. Was das Fieber anlangt, so ist hier sowohl die Gleichgültigkeit der Bevölkerung wie die Nachlässigkeit der Landesverwaltung schuld. Es sind nur wenige Fiebergegenden vorhanden, die nicht, wie die Erfahrung gelehrt, durch geeignete Trockenlegung und durch Bepflanzung mit Eukalyptusbäumen ohne übergrosse Kosten saniert werden könnten. Die Anlage von Eukalyptushainen hat sich ja u. a. auch in den jüdischen Kolonien Chedera und Pethach-Thikwah bewährt.